Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Seite hinzugefügt Januar 26, 2010
Der Weinfreund braucht noch nicht einmal die Flasche entkorkt zu haben, um zu wissen, dass das Objekt seines Interesses aus Franken kommt. Denn Franken ist Bocksbeutel-Land. Wie sonst nur rund um Baden-Baden und im Tauberland, so gilt die Flasche als Ausweis der Identität. Doch Franken ist mehr, ungleich mehr als das Land von Bocksbeutel (in den jedoch nur rund 40 Prozent der Wein gefüllt werden) und Silvaner. Und seine Winzer sind mit den ganz besonderen Schätzen ihres Bodens längst schon nicht mehr auf die Heimat begrenzt, sondern Global Player. Längst spielen die Vertreter dieser Weinkultur nicht mehr nur in der heimischen Liga, sondern zeigen ihre Stärken bundes- und oft sogar weltweit.

An der Flasche sollt ihr sie erkennen: Weine wie dieser Silvaner in der gebietstypischen Bocksbeutelflasche werden weithin schnell als fränkisches Produkt erkannt. Foto: Deutsches Weininstitut
Die Stärke der Franken liegt in der sinnlichen Qualität ihrer greifbaren Identität. Will sagen: Auf einen Blick und mit einem Griff weiß jeder, was er sich ins Glas füllt – und das ohne einen Schluck: Die Bocksbeutel-Flasche gibt den Winzern ein Symbol in die Hand, um das sich anderenorts Werbefachleute mühen müssen. Aber noch etwas ist eindeutig in Franken: Weiß liegt, so er regionale Weinbauverband, mit 85 Prozent der rund 6300 Hektar Anbaufläche, weit vor Rot. Was aber wiederum nicht bedeutet, daß die Roten vom Main so ganz ohne sind: Paul Fürst aus Bürgstadt bei Miltenberg im Westen des Anbaugebiets findet mit seinen Burgunden auf dem ganz Erdball Zuspruch und heimste dabei für seine samtigen Weine so manchen Preis. Und Kenner meinen, dass der sympathisch und bescheiden auftretende Fürst den etablierten Spezialisten aus der Bourgogne längst das Wasser reichen kann.

Malerischer Anblick: der Weinberg unterhalb der Riemenschneider-Kapelle von Volkach an der Mainschleife. Foto: Deutsches Weininstitut
Ob sie nun weiße oder rote Tropfen auf die Flasche füllen: Vielen Franken leben ihre Freude am Wein(machen) mit derselben barocken Lebenslust aus, die ihnen auch sonst eigen ist. Egal, ob Silvaner, Riesling oder Weißburgunder: Sie können filigran sein, aber sie machen sich auf keinen Fall klein. Qualitätsbewusstsein von den großen Gütern und Genossenschaften bis hin zu kleinen Anbietern tut sein Übriges dazu, daß der Kunde hier sicher sein kann, auf (fast) jedem Preisniveau eine facettenreiche Weinkultur zu erleben.
Dazu trägt sicher bei, dass in dieser Landschaft neben der Leitfigur Silvaner einige oft noch immer unterschätzte Rebsorten zu finden sind. Dazu gehört vor allem der von den 17 Mitgliedern des Netzwerks „frank & frei“ vom Image der billigen, durstlöschenden Massensorte befreite Müller-Thurgau. Winzer wie der jetzige Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann aus Sommerhausen südlich von Würzburg, und die nicht minder namhaften Horst und Rainer Sauer sowie Sandra Knoll und andere Vertreter der Zunft haben ihr Teil dazu beigetragen, dass dieser Wein jetzt geschliffen klar und mit erfrischenden kräuterigen Aromen daher kommt. Weiterer Kandidat für eine neue Karriere: die Scheurebe, erfrischend und an ihren Johannisbeer-Aromen klar erkennbar – nicht nur, aber auch, wenn es um frucht- oder edelsüße Spät- und Auslesen geht. Für die kommt dann außer den klassischen Rebsorten nur noch der Rieslaner in Frage, der sonst fast nur noch in der Pfalz eine ähnliche Verbreitung genießt.

In aller Welt gesucht: Weine aus den Weinbergen ringsum Randersacker nahe Würzburg. Foto: Deutsches Weininstitut
Franken gehört aber nicht nur zu den hoch stehenden, sondern auch zu den spannenden Region. Das kommt durch den Mix von Kleinen, die die Fein- und Eigenheiten ihrer Lagen genau kennen und in ihren Stil einfließen kann, und Großen wie den in Würzburg ansässigen großen Gütern wie Julius- und Bürgerspital sowie den Staatlichen Hofkeller, die diese Nuancen genau so pflegen, allerdings von ihrem Besitz her aus einer ganz anderen Bandbreite schöpfen können. Zugleich dokumentieren die drei großen Güter, dass diese Bandbreite und der immense Reichtum an Lagen nicht bedeuten muss, dass hier Massenware auf die Flasche kommt. Vielmehr gilt das Gegenteil: Besonders Bürger- und Juliusspital konnten sich in der zurückliegenden Zeit über den Zuspruch von Journalisten und Testern freuen und heimsten so manchen Preis ein.
Das gilt auch für die anderen bedeutenden Weinmacher aus der fränkischen Metropole, Sandra und Ludwig Knoll mit ihrem Weingut am Stein, das hoch über dem Würzburger Hauptbahnhof durch seine moderne Architektur. Dieselbe Synthese von Komplexität und Einfachheit, die die Weine der Knolls kennzeichnet, drückt sich auch in den Gebäuden aus. Der Würfel aus Holz und Glas, in dem die Verkostungen stattfinden, verändert Grundfarbe und Erscheinungsbild im Verlauf eines Tages je nach Intensität und Einfallswinkel des Sonnenlichts. Da sind sie, die modernen fränkischen Winzer, die Global Players, die weit schauen und doch die Bodenhaftung nicht verlieren. Denn ist der Boden, auf dem ihre Weine wachsen. Und es ist die weite Welt, in die sie diese Weine verkaufen wollen – nicht nur, aber auch.
Architektur, zeigen, dass man von hier ist und dennoch alles andere als provinziell: Diese Bekenntnisse aus Stein und anderen Materialien finden sich in Würzburg und anderen Orten immer wieder. Der Staatliche Hofkeller direkt neben der Residenz in Frankens Hauptstadt etwa hat seine Verkaufsräume liften lassen. Ein Gleiches gilt für das Weingut Max Müller I in Volkach an der Mainschleife, das zu dem bedeutendsten Anbieter der Region gehört. Kühle Modernität im Inneren, darum herum und nach außen ein bürgerlicher Barock: Der Kontrast ist frappierend und erzeugt dabei keine Missklänge. Das gilt in einem ganz anderen Zusammenhang für das Gebäude der Genossenschaft DiVino in dem 1000-Einwohner-Ort Nordheim. Selbstbewusstsein im dörflichen Umfeld und den Mitbewerbern gegenüber, dabei nichts Aufdringliches oder Unpassendes: Auch das bislang größte Projekt des selbstbewussten Genossenschaftsvorsitzenden Oskar Georg Noppenberger kann als gelungenes Beispiel dafür dienen, wie Moderne im Alltag ankommen und gelingen kann.
Wenn auch wie hier Franken mit reichlich Wein und einer nicht minder schmackhaften regionalen Küche gesegnet ist, so erschöpfen sich seine Reize keineswegs darin. Wie ein Blick auf die Website der Touristiker (www.fraenkisches-weinland.de) zeigt, gibt es hier für Kulturbeflissene und besonders für Freunde sakraler Kunst viel zu sehen. Denn der große Holzschnitzer Tilman Riemenschneider (1460-1531) war nicht nur ein großer Künstler, sondern einst auch Bürgermeister von Würzburg. Lokal geerdet und doch ein Großer: Was heute für manchen Winzer gilt, gilt umso mehr für diesen bedeutenden Bildhauer. Wer sich vom dramatischen Charakter und der Lebendigkeit seiner Schnitzkunst berühren lassen will, tut gut daran, neben dem Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg die Kapelle „Maria im Weingarten“ bei Volkach an der Mainschleife zu besuchen. Eine gute Wahl für einen solchen Ausflug: Gabi Bergauers Buch „Die Volkacher Mainschleife und ihr reizvolles Umland“, das zum bekömmlichen Preis von 12,80 im Selbstverlag (www.bergauers-zdk.de) der Autorin (Franz-Ritter-Str. 14 in 97332 Volkach, Rufnummer (09381) 716062, Mail: gb@bergauers-zdk.de) zu haben ist.
Juwelen gibt es im Weinland aber noch andere. Iphofen, das beschauliche, von einer uralten Mauer eingegrenzte Städtchen am Rande des Steigerwalds wäre hier zu nennen, das seine Gäste mit viel alter unzerstörter Bausubstanz und malerischen Gassen erfreut. Dettelbach, der Wallfahrtsort rund 20 Kilometer entfernt von Würzburg, verdient ebenfalls einen Besuch – nicht nur wegen der Pfarrkirche St. Augustinus und dem Pilgerziel „Maria im Sand“, sondern schon für das moderne Wallfahrtsmuseum und der „Muskazinen“, einer nicht wirklich süßen Gebäckspezialität in Form einer Krawattenschleife, halber.
Das Fränkische Weinland rings um Würzburg gehört zu den raren Landschaften, in dem sich Geschichte und Genuss zum Erlebnis verdichten. Das ist es, was die Begegnung mit Franken und seinen Weinen in deren angestammter Heimat so lohnenswert macht.
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Schlaraffenland am KaiserstuhlVon Christoph Hahn
Es soll Leute geben, denen schon Kilometer vor der Autobahnausfahrt Riegel die Spucke im Munde zusammenläuft. Denn Riegel ist die Ausfahrt für das malerische Städtchen Endingen am Kaiserstuhl. Und in Endingen, tief drin in Baden und nicht etwa in einer Großstadt, wirkt und wurstet Markus Dirr. Markus Dirr hat unter den deutschen Metzgern so etwa den Stellenwert wie unter den Köchen der Republik ein Harald Wohlfahrt oder ein Stefan Marquardt. Der ist wie Dirr ausgebildeter Fleischer und Koch in einer Person. Dirr (www.metzgerei-dirr.de) wiederum hat auch nicht immer gleich hinter der recht schmalen Verkaufstheke an der Königschaffhauser Straße mit Messer, Beil und anderen Instrumenten seines Handwerks hantiert. Der Endinger hat sich seinerseits zehn Jahre lang durch die besten Restaurants gekocht, und das in Frankreich, Italien, den USA und auf den Bermudas – unter anderem. Vor allem aber hat der Kaiserstühler immer seine Nase in den Wind gehalten und Gerüche wie Aromen aus der großen weiten Welt nach Endingen mitgebracht.
Dirr spielt in der Königsklasse mit, Dirr entwickelt traditionelle Produkte wie Schinken, Speck und Dauerwurst weiter, Dirr ist kreativ und beherrscht das Bodenständige ebenso wie das Weltläufige – und steht deshalb stellvertretend für so viele, die auf dem Kaiserstuhl flüssige oder bissfeste Leckereien an den Mann oder die Frau bringen. Durchaus bodenständig wirkt Thomas Landerer (www.weingut-landerer.de) aus Niederrotweil, der längst in einschlägigen Führern wie Gaullt-Millau und Eichelmann gute Bewertungen erntet und trotzdem in seinem „Weinbergsbummler“ mit 60 Sitzplätzen Touristen durch seine Weinberge fährt. Fast alle Genusshandwerker der Region glühen vor Leidenschaft; mit dem Erreichten begnügen sie sich noch lange nicht. Darum sind Leute wie Landerer so authentisch: Sie können, wie der Winzer mit seinem „LaSecco“, durchaus internationale Töne anschlagen und bezeugen dennoch mit ihren Burgundern (um die es am Kaiserstuhl hauptsächlich geht) das Land, auf dem die Trauben wachsen.
Das hält auch Landerers Mitbürger Lothar Koch so. Der Name hält, was er verspricht: Koch heißt nur so – er ist auch tatsächlich Koch, und zwar ein höchst origineller. In seinem Restaurant (www.gasthaus-zum-kaiserstuhl.de) in unmittelbarer Nähe zur Niederrotweiler Dorfkirche St. Michael bringt er hauptsächlich (aber nicht nur), was an Kräutern, Gemüse, Obst und Blüten in seinem Garten wächst und dehnt den Terroir-Gedanken vom Trink- aufs Essbare aus. Und was er hinzukauft, kommt überwiegend von regionalen Herstellern – der Ziegenkäse zum Beispiel von einen Aussteiger aus den Vogesen, der Topinambur-Schnaps von Bauer Otto Ihle aus dem Zwillingsdorf Oberrotweil.
Ambitionierte Anbieter gibt es am und auf dem Kaiserstuhl wahrlich genug – zum Beispiel das Weingut Bercher (www.weingutbercher.de) in Burkheim, eine beschaulichen „Städtle“ (bloß nicht von „Dorf“ reden) mit gerade mal 942 Einwohnern. Hier gibt es eine Vielzahl von Attraktionen wie das Fachwerk-„Haus zu den fünf Türmen“, das Rathaus mit dem vorderösterreichischen Wappen, die Kirche St. Pankratius und die Schlossruine am Rand des Ortskerns. Wer sich diese Idylle einmal besuchen will, sollte erwägen, die Dienste eines Führers (www.kaiserstuehler-gaestefuehrer.de) in Anspruch zu nehmen. Denn wer mit Einheimischen wie Regina Jenne die Schönheiten Burkheims betrachtet, sieht mehr. Die Kaiserstühler Gästeführer schärfen den Blick der Touristen für Dinge, die sie sonst nicht sehen – zum Beispiel dafür, dass die Berchers zwischen dem Kelterhaus vor dem Stadttor und ihrem Gutshaus von 1730 eine unterirdische Leitung verlegt haben. Denn Platz ist in Burkheim nun Mangelware – auch und gerade falls jemand wie die Berchers schon als Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) einen gewissen Status besitzt und dabei noch mehr erreichen will. Vater Rainer Bercher steht jedenfalls schon mal an der Abfüllanlage oder packt Flaschen in Kartons, derweil sein Sohn Arne – der zusammen mit seinem Papa sowie dessen Bruder Eckhardt und seinem Sohn Martin die Verantwortung für das Gut trägt – mit dem Refraktometer den Zuckergehalt der ankommenden Trauben prüft, ansonsten aber sich um das Marketing kümmert. Solche Familienbetriebe, die sich innovativ und traditionell zugleich orientieren, sind es, die das „Ländle“ stark gemacht haben.
Burkheims Vorrat an Sehenswürdigkeiten ist mit dem Haus der Berchers und anderen architektonischen Kostbarkeiten noch lange nicht erschöpft. Eine andere Attraktion gibt es quasi im Doppelpack: Zwischen Ostern und dem 31. Oktober gibt es mittwochs und sonntags um 22 Uhr die Gelegenheit zum Nachtwächter-Rundgang ab Stadttor, detaillierte Erklärungen zur Historie und wohldosierte Deftigkeiten wie zum Beispiel der Exkurs über das Schenkelrecht inklusive. Ganz und gar nicht deftig geht es in dem knapp einen Kilometer vom Treffpunkt gelegenen Hotel Kreuz-Post zu, wo Patron Raner Gehr vor Beginn der Tour mit einem kreativ-regionalen „Nachwächtermenü“ aufwartet, Schnecken-Lasagne und Spätburgunder-Granité eingeschlossen (nähere Informationen: www.kreuz-post.de und www.burkheimer-nachtwaechter.de). Ein unbedingtes Muss zum Kaffee oder Espresso: der Sauerkirsch-Edelbrand von Senior Ernst Gehr. Nicht gerade zur nachtschlafenden Zeit hingegen
So klein Burkheim ist, so reich ist es an Kuriositäten. Denn es gibt in dem wie Nieder- und Oberrotweil zur Gemeinde Vogtsburg zählenden Ort auch noch Bernhard Maurer und sein Korkenzieher-Museum (www.korkenzieher.de), das mittwochs bis samstags zwischen 11 und 18 Uhr sowie nach telefonischger Vereinbarung unter 0163/7001242 geöffnet hat. Beim Kunststudium in Konstanz hat der heutige Inhaber eines Geschäftes für Design-Artikel und Galerist (unter anderem zeigt Maurer Arbeiten von Peter Gaymann und Tomi Ungerer) die erste Anregungen bekommen. Seither hat ihn das Thema nie mehr los gelassen. Heute gehören zu seinen Schätzen rund 1200 Korkenzieher, darunter außerordentlich kuriose Geräte mit Batterieantrieb und das älteste Subjekt, das vor rund 300 Jahren in England hergestellt wurde.
Ein Juwel von einem Städtchen ist aber auch das nahe gelegene Endingen (www.endingen.de), der Heimatort von Meister-Metzger Dirr. Nahrhaft geht es indes nicht nur in seinen Ladengeschäften, sondern auch beim Käserei-Museum in der Rempartstraße, nahe dem Bahnhof am Rande der Altstadt des im Zweiten Welrkrieg weitgehend unzerstört gebliebenen Endingen zu. Zwischen 1901 und 1948 hat hier Meister Seraphin Risch in Handarbeit diverse (Weich-)Käsesorten hergestellt. 30 weitere Jahre betrieben sein Sohn und dessen Frau an selber Stätte ein Milchgeschäft, bevor die Immobilie 1978 vermietet wurde. Doch dann gab es Gottseidank den Molkerei-Fachmann Konstantin Stöckle, der das Haus an der Rempartstraße der Vergessenheit entriss und nebst Mitstreitern dafür sorgte, dass allerlei Ausstellungsstücke in die Zeit erinnern, als Käse noch nicht eine weithin industriell gefertigte Massenware war. Geöffnet hat das einzigartige und bemerkenswerte Haus von Ostern bis November von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags ab 18 Uhr (weitere Auskünfte: Kaiserstühler Verkehrsbüro, 07642/689990 bzw. info@endingen.de).
Doch damit der Attraktionen dieses beschaulichen und malerischen Kleinstadt-Idylle nicht genug: Ein Besuch in den Kirchen St. Peter und St. Martin sollte deshalb ebenso auf dem Programm stehen wie ein Spaziergang durch die Weinberge ringsum zum 492 Meter hohen Katharinenberg oder anderen Aussichtspunkten. Geschichtsbewussten Besuchern empfiehlt sich zudem das Vorderösterreich-Museum im Adelshof (hier ist die Tourist-Information untergebracht) und ein Besuch im (im Gegensatz zu Endingen evangelischen) Königschaffhausen mit seiner Winzergenossenschaft (www.koenigschaffhauser-weine.de) und ihren mehrfach preisgekrönten Produkten.
Ganz und gar nicht komplett ist ein Besuch am und auf dem Kaiserstuhl, wenn nicht Breisach auf dem Programm steht – nicht nur weil die Stadt am Rhein mit 14.000 Einwohnern (9000 davon im Kernbereich) der größte Ort des Gebietes. Breisach hat Touristen viel zu bieten, und seien es die Marktplatz-nahen Cafés Ihringer und Bechtel in der Unterstadt. Ganz in der Nähe liegt die Tourist-Info (www.breisach.de) nebst der vom ebenso sympathischen wie kompetenten Ehepaar Wetter geführten Vinothek. Und es nicht weit zur Sektkellerei Geldermann (www.geldermann.de) am Schlossberg, wo täglich um 14 Uhr (sonn- und feiertags nur von März bis Oktober; Eintrttsgeld: vier Euro) eine offene Führung (weitere können unter der Durchwahl 07667/834-258 vereinbart werden) stattfindet – Verkostung hinterher inbegriffen.
Die größte Kostbarkeit perlt jedoch nicht im Glas und ist für kein Geld der Welt zu haben: Das Breisacher Münster, St. Stephan geweiht, erhebt sich hoch über der Stadt und enthält diverse Kostbarkeiten, deren Wert sich auch Ungläubigen erschließt. Im Westbau finden sich die fesselnden, zwischen 1488 und 1491 entstandenen Wandbilder des in Breisach verstorbenen Malers Martin Schongauer, dessen Darstellungen des Jüngsten Gerichts Betrachter heute noch packen. Eine ähnliche Energie geht von dem 1526 vollendeten, geschnitzten Hauptaltar des nur unter seinem Kürzel „Meister H.L.“ auss, während der Schrein der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius die Kraft des Glaubens eher auf stille Weise bezeugt.
Bliebe noch der Badische Winzerkeller, draußen vor der Stadt in einem Gewerbegebiet gelegen, dort, wo sich die Gleise der Kaiserstuhlbahn von denen der Breisgau-S-Bahn trennen. Eine Führung zu Fuß und mit dem „Besucherbähnle“ (zu buchen via www.badischer-winzerkeller.de im Internet oder telefonisch unter 07667/900-270 bei Maria Reber vom Besucherservice) dokumentiert eindrucksvoll: Genossenschaften, selbst und gerade große wie der Winzerkeller mit 67 angeschlossenen Ortsgenossenschaften und um die 5000 zugehörigen Winzern, beherrschen die für den Lebensmitteleinzelhandel bestimmte Produktion im großen Rahmen ebenso wie den Roten oder Weißen für Endverbraucher Genossenschaften haben das Misstrauen, das ihnen vielfach noch entgegen gebracht wird, nicht verdient. Die Zeiten, da das oberste Gebot „Masse statt Klasse“ hieß, sind eh seit mindestens zehn Jahren vorbei. Das Sortiment ist vielgliedriger geworden. Und das der Verbraucher heute mehr über Wein weiß als zuvor, haben die Verantwortlichen inzwischen aufmerksam registriert.
Bliebe noch die Quartier-Frage. Im Luxus-Bereich gibt es kaum Möglichkeiten, von Franz Kellers legendärem „Schwarzen Adler“ (www.franz-keller.de) einmal abgesehen. Sehr gut bestückt ist der Kaiserstuhl mit guten bis sehr guten Gasthöfen wie dem „Hotel Bräutigam“ in unmittelbarer Nähe zur Winzergenossenschaft (www.winzergenossenschaft-ihringen.de) und zum Bahnhof von Ihringen an der Breisgau-S-Bahn. Außerordentlich originell von seiner Lage wie von seinem Patron her wirkt das Hotel Kapuzinergarten in Breisach (www.kapuzinergarten.de), das aus den Zimmern wie von der Terrasse und dem Restaurant mit seiner pfiffigen badisch-elsässischen Regionalküche seine Gästen einen unvergleichlichen Ausblick bietet. Einen subtilen Charme entfaltet das Landhaus Trautwein am Bahnhof von Oberrotweil: Sieht von außen auf den ersten Blick erst mal aus wie ein Gasthof von vielen, bietet jedoch im Inneren besonders in den hohe Zimmern mit ihren Bodenbrettern ein spannendes Zusammnspiel von alter Design und moderner Substanz. Bodenständig und modern zugleich: das schon erwähnte „Kreuz-Post“ in Burkheim. Wer dann noch Alternativen sucht, ist mit der regionalen Touristik-Website www.kaiserstuhl.cc gut beraten. Diese Internet-Seite bietet zudem eine ganze Schatzkiste voll mit Informationen über diese vom lieben Gott verwöhnten Gegend Deutschlands.
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