Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Seite hinzugefügt April 13, 2010
Ein wenig Mitte und sehr viel Süden: Notizen von einer Reise durch die Pfalz

Was dem Japaner die Kirsche, das ist dem Pfälzer die Mandel - denn in der Blütezeit spielt die Natur große Oper. Foto: Südliche Weinstraße
Wenn Gott sich einen neuen Garten Eden suchen würde, dann würde er sicher die Pfalz ernsthaft in Betracht ziehen. Denn hier gibt es alles, was an seiner Schöpfung gut gelungen ist: Eine weite Landschaft mit zauberhaften Ausblicken, malerische Orte und – vor allem – Früchten von jeglicher Art. Doch von der Schönheitskönigin unter ihnen gibt’s weder was zu essen noch zu trinken – und dennoch zieht sie Tausende in ihren Bann: Die Mandel bringt mit rosa bis weißen Blüten im März oder April die Tourismussaison so richtig in Schwung. Wer sich vom süßen Duft der Mandel, die – von einer Versuchsplantage bei Freinsheim abgesehen – betören lassen will, hat dazu reichlich Gelegenheit: zum Beispiel mit einer Reise über den 78 Kilometer langen Pfälzer Mandelpfad von Wachenheim an der Mittelhaardt nach Schweigen-Rechtenbach an der Grenze zu Frankreich. Es gibt viel zu sehen und zu bestaunen an diesem Weg, den der Besucher am Besten zu Fuß zurück legt – als Beitrag zur Entschleunigung, die ein Urlaub in der Pfalz mit sich bringt.
Dieses Pfalz-Gefühl ist ansteckend und nachhaltig, schon wegen solcher Sympathieträger wie der pfiffig-verschmitzten Gästeführerin Silke Schunck aus Leinsweiler. In ihrem Heimatort nimmt sie nur zu gern Touristen in den Schlepptau (Info: www.leinsweiler.de/fuehrungenoder 0171/5832016) und sucht zwischen den Häuserzeilen, in den Weinbergen und Mandelgärten sowie unter Kastanienbäumen nach den Spuren der „Pfälzer Frichtel“, jener ganz besonderen Früchtchen, die der ortsansässige Patissier René Rebmann zu fantasievollen Kreationen veredelt. Auch Männer zeigen dieses gemütliche Lebensgefühl, das durchaus einen Schuss Temperament verträgt, so zum Beispiel der Landschafts- und Gartenplaner Peter Straub (06326/980266 oder p.straub@t-online.de) aus St. Martin. Mit urwüchsigem Charme, Leidenschaft und Verve versteht er es, bei Wanderungen den Zuhörern Daten und Fakten rund um die Mandel beizubringen – und zwar so, dass die Informationen haften bleiben. Eher ein stiller, beharrlicher Tüftler hingegen ist Konditormeister Gerhard Herzog aus Bad Bergzabern (www.cafe-herzog.de), der seine Kunst mit immer neuen süßen Köstlichkeit (zum Beispiel einer wie echt geformten Mandel mit Rillen und anderen Charakteristika, in der sich unter anderem kandierte Mandeln und Dörrobst verstecken.

Leckere Früchtchen: kandierte Aprikosen aus der Manufaktur Biffar in Deidesheim. Foto: Christoph Hahn
Die Sinne werden in der Genuss-Landschaft Pfalz freilich noch auf andere Weise gestreichelt. So betreibt die Familie Biffar in Deidesheim nicht nur ein renommiertes Weingut, sondern außerdem eine Confiserie-Manufaktur. Und das heißt in der Praxis: Bei Biffars (www.biffar.com) gibt’s kandierte Früchte. Viel Sorgsamkeit beim Einkauf und bei der Verarbeitung von Ingwer, Orangen, Zitronen, Ananas und weiteren Artgenossen gilt Chefin Lili Biffar-Hirschbil und ihren rund 30 Mitarbeitern als oberstes Gesetz. Doch der Aufwand lohnt sich: Diese „Frichtel“ aus Deidesheim gehören in ihrer Sparte zu allerersten Wahl.
Auf ihre Weise bereichern die Biffars die „cittàslow“ Deidesheim (www.deidesheim.de, touristinfo@deidesheim.de) , die sich nicht nur mit diesem von der Slow-Food-Bewegung zum entschleunigten Lebensgefühl bekennt. Enge Straßen, alte Weingüter, stolze Villen, beschauliche Gässchen: Das ist es nicht allein, was den Charme dieser alten, kleinen Stadt ausmacht. Da ist zu Beispiel die historische Pfarrkirche St. Ulrich und, in ihrem ihrem
Schatten, das Alte Rathaus mit seinem Museum, die alte Synagoge – so viele (und noch mehr) Sehenswürdigkeiten gibt es hier bei nur rund 3700 Einwohnern in diesem Ort, an dem einst Kanzler Kohl im „Deidesheimer Hof“ Staatsgäste mit der Pfälzer Spezialität Nummer 1, dem Saumagen, bekannt machte. Und wer schon mal in der Nähe ist, besucht sicher gerne die charmante Gebietshauptstadt Neustadt /Weinstraße (www.neustadt.pfalz.com), in der es nicht nur die malerische Innenstadt und ein Eisenbahnmuseum (www.eisenbahnmuseum-neustadt.de) zu bestaunen gibt.

Styling und Architektur gehören dazu: Diese Wendektreppe für in den Keller des Weinguts Christmann. Foto: Christoph Hahn
Ebenfalls in Neustadt, wenngleich im Ortsteil Gimmeldingen, ist mit Steffen Christmann (www.weingut-christmann.de) einer der prominentesten unter den deutschen Winzer ansässig. Seine Spezialität: klare, trockene Rieslinge. Die Trauben baut der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) seit Jahren in biodynamischer Wirtschaftsweise an. Ein pfleglicher Anbau, strenge Selektion und Ertragsreduktion gelten dem studierten Rechtsanwalt als oberstes Gebot und bilden die Basis für den Aufstieg unter die Stars seines Metiers.
Eines ist nicht nur bei Christmann zu spüren: Pfälzer Winzer geben mächtig Gas und sorgen inner- wie außerhalb des VDP für eine merkliche Qualitätssteigerung. Damit das auch so bleibt, hat der VDP Pfalz ein Programm für Spitzentalente aufgelegt, das junge Winzerinnen und Winzer im Alter zwischen 25 und 35 in fünf Jahren durch persönliche Betreuung, Seminare und andere Angebote auf ein höheres Niveau bringen soll. Eine davon ist Eva Seyler (www.dengler-seyler.de), die bei einer Weinprobe nicht nur eigene Kreszenzen, sondern auch die von Mitstreitern präsentiert – zum Beispiel einen Riesling aus der Lage „Kallstädter Saumagen“ vom Weingut Rings (www.weingut-rings.de) im Nordpfälzer Städtchen Freinsheim, das sich indes auf seiner Website vor allem als Rotwein-Spezialist präsentiert.

Winzer setzen durch Architektur ein Zeichen: die Vinothek des Weinguts Meßmer in Burrweiler. Foto: Meßmer
Pfälzer Winzer treten selbstbewusst auf; sie wollen mit ihren weißen wie roten Weinen nicht hinter dem Renomee ihrer Kollegen aus anderen Regionen zurückstehen – und müssen es auch nicht. Sie drängen nicht nach vorne – sie sind es schon. Rebholz, Siegrist, Philippi und die Anderen, auch Christmann: Sie wissen, wo sie stehen und was sie können. Das gilt auch für die Familie Meßmer aus Burrweiler (www.weingut-messmer.de). Gleich dem Kollegen aus Neustadt-Gimmeldingen gehören sie dem VDP – und zur Spitzenklasse ihres Metiers nicht nur, aber auch in der Pfalz. Ihre Weine, ihr Tun und sich selbst wissen sie mit Geschick und Geschmack zu inszenieren, wie der Bau in Burrweiler beweist. Ihr Vinothek (www.dasweinhaus.com) liegt direkt an der Weinstraße und zeichnet sich durch eine gepflegte Klassizität. Klarheit, Kühle, Licht bestimmen das Innere. Viele Materialien sind dem umliegenden Terroir entnommen, Schiefer etwa, das im Gegensatz zur Mosel in der Pfalz selten vorkommt – die Lage „Bürrweiler Schäwer“ halt ausgenommen.
Doch nicht nur architektonisch und lichttechnisch präsentieren die Meßmers ihre Weine geschickt: Sie betten ihn in zwei verschiedene gastronomische Konzepte ein. So gibt es in der Vinothek „Pfälzer Tapas“ (ein origineller Name wird noch gesucht; der Preis wird dem Vernehmen nach in Wein ausgezahlt). Im nebenan liegenden Restaurant (www.ritterhof-zur-rose.de) kredenzen Koch Hervé Michel und sein Team eine französisch-mediterrane Hochküche und komplettieren so eine kulinarisch komplexe Mikrolandschaft. Die Weine selber halten, was die von Mit-Chef Martin Meßmer zusammen mit dem Haßlocher Architektenbüro Eckert & Rosenberger arrangierte Innen-Einrichtung verspricht: Komplexität, Raffinesse und die hohe Kunst der Einfachheit haben auf ihre Weise auch die Familien Hafen und Schäfer zu einer Kunstform entwickelt. Zusammen mit einer kleinen Schar hoch motivierter Mitarbeiter betreiben sie unterhalb der einstigen Sommerresidenz des Bayern-Königs Ludwig I., folgerichtig „Villa Ludwigshöhe“ (www.burgen-rlp.de) mit Namen, ein feines, kleines Hotel, dessen Name die Geschichte des Hauses erzählt: Die „Alte Rebschule“ (www.alte-rebschule.de) war bis 1967 eine solche. Obwohl sie mitten in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, war schon damals eine mögliche Nutzung als Hotel in den offiziellen Plänen eingetragen worden. Was die Besitzer hier entwickelt haben, wirkt sehr umfassend: So bieten die Zimmer einen nahezu unbezahlbar schönen Ausblick, der – wenn sich Petrus sich nicht gerade destruktiv gibt – von den Rebhängen unterhalb der Villa Ludwigshöhe am Hotel vorbei über die Weingärten rund um das unterhalb liegende Dorf Rhodt unter Rietburg tief in die Rheinebene hinab gleitet.

Eines der angenehmsten Hotels in der Pfalz: die "Alte Rebschule", knapp unterhalb der Villa Ludwugshöhe gelegen. Foto: Hotel
Wer die „Alte Rebschule“ aufsucht, bekommt dort indes mehr geboten als ein Zimmer mit einer ans Grandiose reichenden Aussicht. Er (oder sie) bekommt eine Kostprobe Pfälzer Gastlichkeit, im eigentlichen Hotel mit seiner Wellness-Abteilung wie im Restaurant, dessen Küchenchefin aus dem „Deidesheimer Hof“ kommt und für Hausgäste abends eine mit 14 Euro konkurrenzlos preiswerte „Genießerpension“ (Amuse bouche plus drei Gänge) anbietet – und das ohne Abstriche an die Raffinesse der kulinarischen Kunst. Ein weiteres Juwel: Das Gasthaus „Sesel“ auf dem vorderen Teil des Geländes, das eine bodenständigere Küche mit allerlei Pfälzer Spezialitäten und eine beispielhaft breit gefächerte Weinkarte mit offenen Weißen und Roten aus Weingütern der Region.
Viel noch wäre noch von der Pfalz zu erzählen – vom Metzger Hambel in Wachenheim und seinen diversen Saumagen-Kreationen (vgl. www.metzgerei-hambel.de), dem Edesheimer Bäcker Becker (www.de-baecker-becker.de). Ganz bestimmt noch den Besuch wert ist die Website der regionalen Touristiker, www.suedlicheweinstrasse.de. Sie wartet nicht nur mit einer Fülle von Informationen auf, sondern erleichtert dem geneigten Pfalz-Besucher das Buchen des Quartiers ungemein. Ansonsten gilt: demnächst mehr – hier, an dieser Stelle!
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Schlaraffenland am KaiserstuhlVon Christoph Hahn
Es soll Leute geben, denen schon Kilometer vor der Autobahnausfahrt Riegel die Spucke im Munde zusammenläuft. Denn Riegel ist die Ausfahrt für das malerische Städtchen Endingen am Kaiserstuhl. Und in Endingen, tief drin in Baden und nicht etwa in einer Großstadt, wirkt und wurstet Markus Dirr. Markus Dirr hat unter den deutschen Metzgern so etwa den Stellenwert wie unter den Köchen der Republik ein Harald Wohlfahrt oder ein Stefan Marquardt. Der ist wie Dirr ausgebildeter Fleischer und Koch in einer Person. Dirr (www.metzgerei-dirr.de) wiederum hat auch nicht immer gleich hinter der recht schmalen Verkaufstheke an der Königschaffhauser Straße mit Messer, Beil und anderen Instrumenten seines Handwerks hantiert. Der Endinger hat sich seinerseits zehn Jahre lang durch die besten Restaurants gekocht, und das in Frankreich, Italien, den USA und auf den Bermudas – unter anderem. Vor allem aber hat der Kaiserstühler immer seine Nase in den Wind gehalten und Gerüche wie Aromen aus der großen weiten Welt nach Endingen mitgebracht.
Dirr spielt in der Königsklasse mit, Dirr entwickelt traditionelle Produkte wie Schinken, Speck und Dauerwurst weiter, Dirr ist kreativ und beherrscht das Bodenständige ebenso wie das Weltläufige – und steht deshalb stellvertretend für so viele, die auf dem Kaiserstuhl flüssige oder bissfeste Leckereien an den Mann oder die Frau bringen. Durchaus bodenständig wirkt Thomas Landerer (www.weingut-landerer.de) aus Niederrotweil, der längst in einschlägigen Führern wie Gaullt-Millau und Eichelmann gute Bewertungen erntet und trotzdem in seinem „Weinbergsbummler“ mit 60 Sitzplätzen Touristen durch seine Weinberge fährt. Fast alle Genusshandwerker der Region glühen vor Leidenschaft; mit dem Erreichten begnügen sie sich noch lange nicht. Darum sind Leute wie Landerer so authentisch: Sie können, wie der Winzer mit seinem „LaSecco“, durchaus internationale Töne anschlagen und bezeugen dennoch mit ihren Burgundern (um die es am Kaiserstuhl hauptsächlich geht) das Land, auf dem die Trauben wachsen.
Das hält auch Landerers Mitbürger Lothar Koch so. Der Name hält, was er verspricht: Koch heißt nur so – er ist auch tatsächlich Koch, und zwar ein höchst origineller. In seinem Restaurant (www.gasthaus-zum-kaiserstuhl.de) in unmittelbarer Nähe zur Niederrotweiler Dorfkirche St. Michael bringt er hauptsächlich (aber nicht nur), was an Kräutern, Gemüse, Obst und Blüten in seinem Garten wächst und dehnt den Terroir-Gedanken vom Trink- aufs Essbare aus. Und was er hinzukauft, kommt überwiegend von regionalen Herstellern – der Ziegenkäse zum Beispiel von einen Aussteiger aus den Vogesen, der Topinambur-Schnaps von Bauer Otto Ihle aus dem Zwillingsdorf Oberrotweil.
Ambitionierte Anbieter gibt es am und auf dem Kaiserstuhl wahrlich genug – zum Beispiel das Weingut Bercher (www.weingutbercher.de) in Burkheim, eine beschaulichen „Städtle“ (bloß nicht von „Dorf“ reden) mit gerade mal 942 Einwohnern. Hier gibt es eine Vielzahl von Attraktionen wie das Fachwerk-„Haus zu den fünf Türmen“, das Rathaus mit dem vorderösterreichischen Wappen, die Kirche St. Pankratius und die Schlossruine am Rand des Ortskerns. Wer sich diese Idylle einmal besuchen will, sollte erwägen, die Dienste eines Führers (www.kaiserstuehler-gaestefuehrer.de) in Anspruch zu nehmen. Denn wer mit Einheimischen wie Regina Jenne die Schönheiten Burkheims betrachtet, sieht mehr. Die Kaiserstühler Gästeführer schärfen den Blick der Touristen für Dinge, die sie sonst nicht sehen – zum Beispiel dafür, dass die Berchers zwischen dem Kelterhaus vor dem Stadttor und ihrem Gutshaus von 1730 eine unterirdische Leitung verlegt haben. Denn Platz ist in Burkheim nun Mangelware – auch und gerade falls jemand wie die Berchers schon als Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) einen gewissen Status besitzt und dabei noch mehr erreichen will. Vater Rainer Bercher steht jedenfalls schon mal an der Abfüllanlage oder packt Flaschen in Kartons, derweil sein Sohn Arne – der zusammen mit seinem Papa sowie dessen Bruder Eckhardt und seinem Sohn Martin die Verantwortung für das Gut trägt – mit dem Refraktometer den Zuckergehalt der ankommenden Trauben prüft, ansonsten aber sich um das Marketing kümmert. Solche Familienbetriebe, die sich innovativ und traditionell zugleich orientieren, sind es, die das „Ländle“ stark gemacht haben.
Burkheims Vorrat an Sehenswürdigkeiten ist mit dem Haus der Berchers und anderen architektonischen Kostbarkeiten noch lange nicht erschöpft. Eine andere Attraktion gibt es quasi im Doppelpack: Zwischen Ostern und dem 31. Oktober gibt es mittwochs und sonntags um 22 Uhr die Gelegenheit zum Nachtwächter-Rundgang ab Stadttor, detaillierte Erklärungen zur Historie und wohldosierte Deftigkeiten wie zum Beispiel der Exkurs über das Schenkelrecht inklusive. Ganz und gar nicht deftig geht es in dem knapp einen Kilometer vom Treffpunkt gelegenen Hotel Kreuz-Post zu, wo Patron Raner Gehr vor Beginn der Tour mit einem kreativ-regionalen „Nachwächtermenü“ aufwartet, Schnecken-Lasagne und Spätburgunder-Granité eingeschlossen (nähere Informationen: www.kreuz-post.de und www.burkheimer-nachtwaechter.de). Ein unbedingtes Muss zum Kaffee oder Espresso: der Sauerkirsch-Edelbrand von Senior Ernst Gehr. Nicht gerade zur nachtschlafenden Zeit hingegen
So klein Burkheim ist, so reich ist es an Kuriositäten. Denn es gibt in dem wie Nieder- und Oberrotweil zur Gemeinde Vogtsburg zählenden Ort auch noch Bernhard Maurer und sein Korkenzieher-Museum (www.korkenzieher.de), das mittwochs bis samstags zwischen 11 und 18 Uhr sowie nach telefonischger Vereinbarung unter 0163/7001242 geöffnet hat. Beim Kunststudium in Konstanz hat der heutige Inhaber eines Geschäftes für Design-Artikel und Galerist (unter anderem zeigt Maurer Arbeiten von Peter Gaymann und Tomi Ungerer) die erste Anregungen bekommen. Seither hat ihn das Thema nie mehr los gelassen. Heute gehören zu seinen Schätzen rund 1200 Korkenzieher, darunter außerordentlich kuriose Geräte mit Batterieantrieb und das älteste Subjekt, das vor rund 300 Jahren in England hergestellt wurde.
Ein Juwel von einem Städtchen ist aber auch das nahe gelegene Endingen (www.endingen.de), der Heimatort von Meister-Metzger Dirr. Nahrhaft geht es indes nicht nur in seinen Ladengeschäften, sondern auch beim Käserei-Museum in der Rempartstraße, nahe dem Bahnhof am Rande der Altstadt des im Zweiten Welrkrieg weitgehend unzerstört gebliebenen Endingen zu. Zwischen 1901 und 1948 hat hier Meister Seraphin Risch in Handarbeit diverse (Weich-)Käsesorten hergestellt. 30 weitere Jahre betrieben sein Sohn und dessen Frau an selber Stätte ein Milchgeschäft, bevor die Immobilie 1978 vermietet wurde. Doch dann gab es Gottseidank den Molkerei-Fachmann Konstantin Stöckle, der das Haus an der Rempartstraße der Vergessenheit entriss und nebst Mitstreitern dafür sorgte, dass allerlei Ausstellungsstücke in die Zeit erinnern, als Käse noch nicht eine weithin industriell gefertigte Massenware war. Geöffnet hat das einzigartige und bemerkenswerte Haus von Ostern bis November von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags ab 18 Uhr (weitere Auskünfte: Kaiserstühler Verkehrsbüro, 07642/689990 bzw. info@endingen.de).
Doch damit der Attraktionen dieses beschaulichen und malerischen Kleinstadt-Idylle nicht genug: Ein Besuch in den Kirchen St. Peter und St. Martin sollte deshalb ebenso auf dem Programm stehen wie ein Spaziergang durch die Weinberge ringsum zum 492 Meter hohen Katharinenberg oder anderen Aussichtspunkten. Geschichtsbewussten Besuchern empfiehlt sich zudem das Vorderösterreich-Museum im Adelshof (hier ist die Tourist-Information untergebracht) und ein Besuch im (im Gegensatz zu Endingen evangelischen) Königschaffhausen mit seiner Winzergenossenschaft (www.koenigschaffhauser-weine.de) und ihren mehrfach preisgekrönten Produkten.
Ganz und gar nicht komplett ist ein Besuch am und auf dem Kaiserstuhl, wenn nicht Breisach auf dem Programm steht – nicht nur weil die Stadt am Rhein mit 14.000 Einwohnern (9000 davon im Kernbereich) der größte Ort des Gebietes. Breisach hat Touristen viel zu bieten, und seien es die Marktplatz-nahen Cafés Ihringer und Bechtel in der Unterstadt. Ganz in der Nähe liegt die Tourist-Info (www.breisach.de) nebst der vom ebenso sympathischen wie kompetenten Ehepaar Wetter geführten Vinothek. Und es nicht weit zur Sektkellerei Geldermann (www.geldermann.de) am Schlossberg, wo täglich um 14 Uhr (sonn- und feiertags nur von März bis Oktober; Eintrttsgeld: vier Euro) eine offene Führung (weitere können unter der Durchwahl 07667/834-258 vereinbart werden) stattfindet – Verkostung hinterher inbegriffen.
Die größte Kostbarkeit perlt jedoch nicht im Glas und ist für kein Geld der Welt zu haben: Das Breisacher Münster, St. Stephan geweiht, erhebt sich hoch über der Stadt und enthält diverse Kostbarkeiten, deren Wert sich auch Ungläubigen erschließt. Im Westbau finden sich die fesselnden, zwischen 1488 und 1491 entstandenen Wandbilder des in Breisach verstorbenen Malers Martin Schongauer, dessen Darstellungen des Jüngsten Gerichts Betrachter heute noch packen. Eine ähnliche Energie geht von dem 1526 vollendeten, geschnitzten Hauptaltar des nur unter seinem Kürzel „Meister H.L.“ auss, während der Schrein der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius die Kraft des Glaubens eher auf stille Weise bezeugt.
Bliebe noch der Badische Winzerkeller, draußen vor der Stadt in einem Gewerbegebiet gelegen, dort, wo sich die Gleise der Kaiserstuhlbahn von denen der Breisgau-S-Bahn trennen. Eine Führung zu Fuß und mit dem „Besucherbähnle“ (zu buchen via www.badischer-winzerkeller.de im Internet oder telefonisch unter 07667/900-270 bei Maria Reber vom Besucherservice) dokumentiert eindrucksvoll: Genossenschaften, selbst und gerade große wie der Winzerkeller mit 67 angeschlossenen Ortsgenossenschaften und um die 5000 zugehörigen Winzern, beherrschen die für den Lebensmitteleinzelhandel bestimmte Produktion im großen Rahmen ebenso wie den Roten oder Weißen für Endverbraucher Genossenschaften haben das Misstrauen, das ihnen vielfach noch entgegen gebracht wird, nicht verdient. Die Zeiten, da das oberste Gebot „Masse statt Klasse“ hieß, sind eh seit mindestens zehn Jahren vorbei. Das Sortiment ist vielgliedriger geworden. Und das der Verbraucher heute mehr über Wein weiß als zuvor, haben die Verantwortlichen inzwischen aufmerksam registriert.
Bliebe noch die Quartier-Frage. Im Luxus-Bereich gibt es kaum Möglichkeiten, von Franz Kellers legendärem „Schwarzen Adler“ (www.franz-keller.de) einmal abgesehen. Sehr gut bestückt ist der Kaiserstuhl mit guten bis sehr guten Gasthöfen wie dem „Hotel Bräutigam“ in unmittelbarer Nähe zur Winzergenossenschaft (www.winzergenossenschaft-ihringen.de) und zum Bahnhof von Ihringen an der Breisgau-S-Bahn. Außerordentlich originell von seiner Lage wie von seinem Patron her wirkt das Hotel Kapuzinergarten in Breisach (www.kapuzinergarten.de), das aus den Zimmern wie von der Terrasse und dem Restaurant mit seiner pfiffigen badisch-elsässischen Regionalküche seine Gästen einen unvergleichlichen Ausblick bietet. Einen subtilen Charme entfaltet das Landhaus Trautwein am Bahnhof von Oberrotweil: Sieht von außen auf den ersten Blick erst mal aus wie ein Gasthof von vielen, bietet jedoch im Inneren besonders in den hohe Zimmern mit ihren Bodenbrettern ein spannendes Zusammnspiel von alter Design und moderner Substanz. Bodenständig und modern zugleich: das schon erwähnte „Kreuz-Post“ in Burkheim. Wer dann noch Alternativen sucht, ist mit der regionalen Touristik-Website www.kaiserstuhl.cc gut beraten. Diese Internet-Seite bietet zudem eine ganze Schatzkiste voll mit Informationen über diese vom lieben Gott verwöhnten Gegend Deutschlands.
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