Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
Schlagwörter
Artikel Kalender
Seite hinzugefügt Juli 30, 2010
Badischer Wein im Bocksbeutel – geht das überhaupt? Eindeutig ja, denn die badische Weinregion Tauberfranken ist historisch, geografisch und historisch eng mit dem Frankenland und seinem Zentrum Würzburg verbunden. Aus der gemeinsamen Geschichte heraus hatte Tauberfranken schon immer das Recht, seine Weine in dieser für Franken typischen und traditionellen Flaschenform abzufüllen.
Tauberfranken ist ein Land mit zahlreichen Facetten – fränkische (mit einem Teil des Landkreises Würzburg), württembergische (mit Bad Mergentheim) und vor allem badische (mit den Wein- und Genussstädten Wertheim, Tauberbischofsheim und Lauda-Königshofen) Einflüsse prägen Land, Leute und Besucher. Durchzogen wird das Weinland von der Tauber, die auf einer Länge von über 130 Kilometer km durch die Region fließt. Ihr folgt die Romantische Straße mit allen ihren Schleifen von Rothenburg bis Tauberbischofsheim, sie berührt auch die Badische Weinstraße und die Burgenstraße (Rothenburg o.d.T). Die Tauber ist wie geschaffen für ausgedehnte Fahrradtouren, das tauberfränkische Radwegenetz umfasst über 2000 Kilometer.
Trockenes und Halbtrockenes aus dem lieblichen Taubertal
So richtig bekannt ist das liebliche Taubertal durch seine Weine, „die eher verwandt sind mit Frankens Weinen als mit den südbadischen Weinen“, erläutert Jutta Miltenberger-Günther, Inhaberin des Weingutes Günther im barockgeprägten Weinort Gerlachsheim nahe Lauda-Königshofen: „Unsere Weine sind sehr elegant, dabei frisch und lebendig, was besonders für die typischen Sorten Müller-Thurgau und Silvaner gilt. Aber auch der Weißburgunder ist inzwischen eine vielgeschätzte Spezialität unseres Hauses. Für alle Weine gilt ein schonender und regional geprägter Ausbau.“ Das Weingut im denkmalgeschützten barocken Patrizierhaus liegt im Zentrum der Weinbaugemeinde. Seit über 300 Jahren wird in den alten Kellergewölben auf Handlese und somit ertragsreduzierte, qualitätsvolle Weine Wert gelegt.
Große Weine mit hohem internationalen Renommée
Einer der ältesten Weinorte im gesamten Frankenland liegt, welche Überraschung, in Baden-Württemberg. Es ist Dertingen, zugleich das nordöstlichste Dorf des Landes. Aus Sicht eines Stuttgarter Journalisten ist die Weinerzeugung in den nördlichen Lagen Tauberfrankens ein, wie er schrieb, „Vabanque-Spiel mit der Natur“. Das wissen die Winzer der Region um Wertheim besser, denn sie haben stetig zunehmenden Erfolg, weil für sie die Qualität das entscheidende Kriterium ist. Insbesondere Konrad Schlör, der zusammen mit Ehefrau Monika sein Weingut in Wertheim-Reicholzheim betreibt, hat mit nationalen und internationalen Auszeichnungen vor allem für seine Rotweine der Weinbauregion Tauberfranken neuen Glanz verliehen. Seine Devise: „Mit höchsten Ansprüchen an der Qualität unserer Weine arbeiten – vom einfachen Wein für jeden Tag bis zum exklusiven Festtagswein.“ Damit kann man auch im „Niemandsland“ – so noch einmal die bereits erwähnte Stuttgarter Sicht – erfolgreich Weinbau betreiben. Als einziger Betrieb Tauberfrankens wurde Schlör jüngst in den exklusiven Verband der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen – Ergebnis jahrelanger konsequenter Arbeit im Weinberg.
Auch Tauberfranken ist „von der Sonne verwöhnt“
Obwohl Tauberfranken den nördlichsten Teil von Baden bildet, verfügt es über mehr Sonnenstunden als die meisten anderen deutschen Weinregionen. Überwiegend werden Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner und die roten Sorten Dornfelder, Schwarzriesling, Spätburgunder und die regionale autochthone Rebsorte Tauberschwarz auf heute insgesamt nur noch 600 ha Rebfläche (zu Napoleon Zeiten, 1803, waren es noch 10.000 ha) angebaut. Die steinigen, meist kalkreichen Böden formen in Tauberfranken Weine von besonderer Statur mit Frucht und Mineralität. Gerade der nobel duftende Schwarzriesling mit seiner Beerenpracht und samtigen Würze läuft hier zur Hochform auf.
Dass Tauberfranken einen gewissen Nachholbedarf in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit hat, wissen auch Monika und Martin Baumann, deren Weingut sich in Dertingen befindet: „Unsere Weine sind von Klima und Böden eher fränkisch geprägt. Unsere Randlage ist für unsere Kunden mit dem großen Vorteil verbunden, dass wir im Bezug auf Preis und Leistung sehr attraktiv sind. Dies wird uns immer wieder bestätigt.“ Baumann darf sich mit seinem TE Weißwein-Cuvée aus Silvaner und Grauer Burgunder mit leichter Barriquenote zu den Tauber-Editions-Winzern zählen. Die Vermarktung läuft zu 90% über Direktkunden, über die hauseigene Heckenwirtschaft und über Übernachtungsgäste (10 Gästebetten) und natürlich über die zahlreichen kleinen Weinfeste im Ort und Umgebung.
Wo Gourmets auf ihre Kosten kommen…
Tauberfranken hat noch einen weiteren Vorteil zu bieten: Die relativ nördliche Lage macht diese interessante Kulturlandschaft für viele Weinfreunde schnell erreichbar. Außerdem kann das „Madonnenland“ (benannt nach den vielen Bildstöcken) zwischen Wertheim und Rothenburg ob der Tauber mit einer Fülle von touristischen und kulinarischen Anziehungspunkten aufwarten. Und apropos: bodenständig allein ist die Küche in Tauberfranken längst nicht mehr, gibt es doch an der Tauber und in Hohenlohe inzwischen zahlreiche Spitzenköche, die in den einschlägigen Gourmetführern Dauergastrecht genießen. Diese kulinarischen „Leuchttürme“, aber auch die zahlreichen Landgasthöfe und Dorfschänken, verwenden für ihre Menüs hauptsächlich regionale Produkte, so z. B. Tauberforelle, Boeuf de Hohenlohe, Hohenloher Landschwein, Taubertäler Lamm oder Grünkernspezialitäten. Und – keine Frage: Zu jeder dieser Spezialitäten findet sich als kongenialer Begleiter der jeweils passende regionale Wein - Tauberfranken ist also ein M u s s für jeden Liebhaber badischer Weine. (pr)

Mit seinem Weinberg verwurzelt: Winzer Konrad Schlör, hier inmitten seiner Spätburgunder-Reben, gehört seit kurzem dem Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) an. Foto: Schlör
Ähnliche Artikel
Schlagzeilen
Auch noch zu lesen
Hundert Prozent Öko, hundert Prozent Mosel: Timo Dienhart und seine merk-würdigen RieslingeMögen Winzer auch noch so ausgeprägte Individuen sein: Timo Dienhart aus Maring-Noviand ist immer auch anders. Der junge Mann aus dem Ort im Liesertal, das unweit von Bernkastel-Kues (Orte mit Bindestrich sind in dieser Region nicht gerade selten) an das der Mosel stößt, gehört mit seinem Weingut Zur Römerkelter (www.roemerkelter.de) zu den profilierten ökologischen Erzeugern der Region. Was sein Vater 1977 begonnen hat, führt der Sohn heute konsequent und von großer Überzeugungskraft getragen weiter.
Weitere Geschichten
Mosel & Co. haben ZukunftHAVE YOUR SAY
SELECTABLE PROMOTIONAL BLOCK
Weitere Überschriften