Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Seite hinzugefügt August 18, 2010
Von Christoph Hahn
Baden-Baden – dieser Namen entfaltet noch immer seine Glanz. So besehen war es ein kluger Schachzug der Winzer und Genossenschaftler aus den Ortsteilen rund um Neuweier, ab 2006 die Kurstadt in den Namen und die Silhouette des Spielcasinos in das Logo zu nehmen. Die Weine der rund 700 Erzeuger mit einer Gesamtfläche von derzeit 164 Hektar tragen dem Baden-Badener Prestige in mehr als einer Hinsicht Rechnung und verbinden eine qualitätsorientierte Machart mit einem Optimum an Trinkvergnügen, sind elegant und zugänglich zugleich. Im Mittelpunkt des Sortiments stehen denn auch zwei Klassiker: Riesling, der mit 55 Prozent den Hauptanteil stellt, und Spätburgunder (36 Prozent).
Letzterer sorgt nicht nur in seiner reinen roten Form dafür, dass das Repertoire der Baden-Badener – wie alle anderen Winzer und Genossenschaften auf Stadtgebiet dürfen auch sie in Bocksbeutel-Flaschen füllen – im Ganzen sehr erfreulich ausfällt. Der Blanc de Noir etwa, zumal der 2009er, lässt erkennen, dass Kellermeister Christoph Zeidler und seine Mitstreiter aus dem Management vom blanken Qualitätsstreben beseelt sind. Frisch bis hefig in der Nase, zeigt dieser „Weiße vom Schwarzen“ zudem Töne von reifer, saftiger Birne und andere Aromen, die die Geschmacksnerven nicht nur an warmen, schwülen Sommertagen wieder auf Vordermann bringen. Obwohl gleichfalls erfrischend, ist auch der Rosé nicht nur ein Typ für die heiße Jahreszeit. Er präsentiert sich mit einer Fülle von Aromen, die den Gaumen in jeder Saison reizen und streicheln.

Hier probiert es sich ausgesproch angenehm: ein Blick in die Räume der Winzergenossenschaft Baden-Baden. Foto: WG
Ein Eckpfeiler des Repertoires ist der Riesling, hier in Person der 2009er trockenen Spätlese vom Neuweierer Mauerberg. Dieser Wein erweist sich zwar – wie Vieles aus Baden – mit 12,5 Prozent als nicht gerade schwach auf der Brust, steht aber trotzdem nicht allzu breitbeinig da. Denn dieser Tropfen aus den Kellern der WG (www.baden-badener-wg.de) zeichnet sich durch sorgsam ausbalanciertes Süße-Säure-Spiel aus: Die Säure hält den Wein knackig; die Fruchtaromen (in diesem Fall unter anderem Ananas) regen das Trinkvergnügen zusätzlich an.
Nicht minder angenehm machen sich die Roten des Hauses. Der Affentaler Spätburgunder ist ein ausgesprochen typisches badisches Gewächs: Sehr viel fruchtbetonter ausgebaut als anderenorts, verleugnet er trotzdem nicht die holz- und tanninbetonte Seite seiner Natur, Der 2007er zeigt sich jedenfalls ausgesprochen stabil aufgestellt – kein Kraftprotz und kein Alkohol-Bolide, aber dafür eine ausgesprochen vielschichtige Persönlichkeit. Der 2008er Regent feinherb stellt eine sinnvolle Ergänzung dar: Dunkler in der Optik und im Geschmack ausgesprochen würzig, puffern andererseits feine süße Akzenteden Gesamteindruck ab.
Baden-Baden kann stolz sein auf seine nicht so sehr kleine, dafür aber feine Winzergenossenschaft. Die Fachwelt jedenfalls mag ihre Anerkennung nicht länger zurückhalten: 2009 kürte die Zeitschrift „Weinwirtschaft“ diese WG zur besten Badens; 2010 sprachen die Autoren des Weinführers eine Empfehlung aus- und das ist erst der Anfang einer Erfolg versprechenden Karriere, wie es scheint.
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