Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Seite hinzugefügt Oktober 11, 2010
Orte, die aussehen wie gemalt, sattes Grün und sanfte Hügel, Pfade, Wege, Flüsschen: Hohenlohe, die Region rund 60 Kilometer nordöstlich von Stuttgart, hat viel, um bei Touristen zu punkten. Das soll nicht heißen, dass die Region unweit von Heilbronn ganz der Beachtung entgangen ist. Aber die großen Ströme rauschen an Künzelsau, Öhringen und anderen Städtchen zum Glück vorbei, immer die Autobahn entlang Richtung Nürnberg. Denn jenseits der A6, auf die Jagst zu: Da liegt das echte Hohenlohe, eine enorm ländliche Gegend, die Feinschmeckern (aber nicht nur ihnen) viel zu bieten hat.
Hohenlohe macht Freude – weil es dort noch viele Kostbarkeiten zu entdecken gibt und die Region keineswegs touristisch überfischt ist. Dabei ist das Angebot reich bestückt; der Besucher fühlt sich rund um die Kreisstadt Künzelsau an den Ufern von Kocher und Jagst wie in anderen Tälern und auf Höhenrücken wie im Schlaraffenland. Schwäbisch-Hällisches Landschwein, Hohenloher Weiderind, Weintrauben und Äpfel sorgen für einen reich gedeckten Tisch. Freilich bleibt – und das macht die Region (www.hohenlohe.de) so angenehm – im menschlichen Maß. Die Produktion bleibt kleinteilig und überschaubar, nimmt nie industrielle Ausmaße an. Hohenlohe lebt die Entschleunigung des alltäglichen Lebens (sofern es nicht gerade um die Firmengruppe Würth oder andere Unternehmen dieses Kalibers geht).

Tradition trifft Gegenwart: Im Rathaus von Neuenstein treibt Hohenlohes erste Bürgermeisterin eine familienfreundliche und auch sonstwie innovative Politik. Fotos: Christoph Hahn
Hohenlohe überrascht seine Besucher auf Schritt und Tritt. Im Städtchen Neuenstein erschreckt zwar die Inschrift „Disce mori“ („Lerne zu sterben“) über dem Portal der wie anderenorts lutherischen Pfarrkirche. Aber dafür ist Bürgermeisterin Sabine Eckert-Viereckel ein echter Sonnenstrahl. Der Altstadt („Hier sah es früher aus wie in der ehemaligen DDR nach der Wende“) hat sie eine nachhaltige Auffrischungskur verpassen lassen. Und das „Kinderhaus“ im neueren Teil von Neuenstein sorgt – mit auffälligen Holz-Akzenten – dafür, dass selbst hier auf dem Land Raum für moderne Lebensformen entsteht.
Doch nicht nur in Neuenstein sind es Frauen, die den Grundton setzen. Unternehmersgattin Carmen Würth lässt in der Kreisstadt Künzelsau gleichfalls aufhorchen. Nicht nur, dass sie mit dem nach einer verstorbenen Enkelin benannten Hotel und Restaurant „Anne-Sophie“ nebst Dependance ein Haus von Klasse (www.hotel-anne-sophie.de) ein Haus von Klasse und Stil betreibt – sie tut es zusammen mit behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern. Menschen mit Handicap werden hier nicht etwa in der
Backstube oder der Waschküche versteckt – sie sind mit Charme und Engagement im Service am Gast präsent, bleiben sichtbar, nehmen aktiv teil am Leben. Doch auch sonst ist das „Anne-Sophie“, zumal seine Dependance im „Würzburger Bau“, dem ehemaligen Finanzamt, ein ganz besonderes Haus. Die Zimmer sind hoch und eher kleine Appartements mit Vorraum und Bad. Antike Möbel und moderne Kunstwerke finden sich dort in reicher Zahl, zudem eine kleine Bibliothek. Weg gekommen, versichern Chefin Carmen Würth und Hotelleiterin Yvonne Schmidt übereinstimmend, ist übrigens noch nie etwas.

Wie das Haupthaus ein Schmuckstück: die Dependance des Hotels "Anne-Sophie" in Künzelsau, der "Würzburger Bau".
Schon seit jeher scheinen es die starken Frauen zu sein, die den Gang der Dinge in Hohenlohe bestimmen. So war es die Künzelsauer Unternehmerin Luise Hermann, die mit der Marke „Mustang“ den Deutschen zu den ersten Jeans aus eigener Herstellung verhalf (www.mustang-museum.de). Und es war die aus dem nahen Forchtenberg stammende Inge Scholl, die zusammen mit ihrem Bruder Hans und Alexander Schmorell in der Widerstandsgruppe Weiße Rose dem Hitler-Regime tapfer den Kampf ansagte (weitere Infos unter www.forchtenberg.de). Doch auch in der Gegenwart ist das weibliche Element spürbar und prägend, so zum Beispiel in der von Kerstin Berner-Göbel geleiteten Firma BTI Befestigungstechnik. Nur wenige Kilometer liegt das Weingut Gaufer (www.weingut-gaufer.de) der ehemaligen Württemberger Weinkönigin Susanne Schmezer. Bei einer Verkostung stellte sich ihr Silvaner, der traditionell im Kochertal zu Hause ist, als einer der leckersten Gewächse aus ihren Lagen heraus. Daneben bietet die in Weinsberg bei Heilbronn ausgebildete Kellermeisterin eine Auswahl von Rotweinen – obwohl ihr früher gesagt worden sei: „Das wächst doch hier garnicht.“

Kleider machten nicht nur Leute, sondern prägen ganze Epochen: Das dokumentieren die Exponate rund um die Jeans im Künzelsauer Mustang-Museum
So wie die pfiffige, von ihrem Mann unterstützte Winzerin aus Ingelfingen, so steht auch Saskia Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg (www.schloss-langenburg.de) ihre Frau. Zusammen mit ihrem Mann, Prinz Philipp (40), hat die 37-jährige studierte Betriebswirtin und Mutter dreier Kinder das Schloss im Rahmen von geführten Touren weitgehend für die Öffentlichkeit geöffnet
und außerdem in der Umgebung den „Waldkletterpark Hohenlohe“ entwickelt. Wenngleich die Adeligen als Grund- und Waldbesitzer rund um ihren pittoresken Heimatort die Akzente setzen, gibt es in ihrer Umgebung auch andere, bürgerliche kreative Geister – zum Beispiel Bernulf Schlauch.
Der Ex-Journalist, Bruder des ehemaligen Frontmanns der Grünen, Rezzo Schlauch, präsentiert sich (www.holunderzauber.de) als kreativer Sekt-Macher. Den prickelnden Schaumwein peppt er subtil zum Gaumenkitzel auf – mit Holunder-, aber auch mit Rosenblüten.
Zu den starken Frauen von Hohenlohe gehört aber auch Grete Gonser, Historikerin von Kirchberg an der Jagst und dortselbst ehrenamtliche Leiterin des Sandelschen Museums. Das rot gestrichene Haus (nähere Infos unter www.kirchberg-jagst.de) aus dem Jahr 1748 unweit der Kirche (zwischen beiden Gebäuden wohnt die Frau Direktorin in einem schmucken Fachwerkhaus) spiegelt den mitunter wunderlich wirkenden bürgerlichen Sammlung des „Namenspatrons“, Kriegsgerichtsrat Theodor Sandel (1861-1927) sowie des Kolonialoffiziers Kurt von Crailsheim und anderer Stifter wieder. Grete Gonser, eine noch immer sehr dynamisch wirkende Dame im Unruhestand, erweist sich im Gespräch rasch als charmante Botschafterin
ihres Heimatorts – ebenso wie Elke Bender und ihre Mutter Helga Carle, die in Bretzfeld-Bitzfeld das Hotel Rose (www.rose-bitzfeld.de) betreiben. Mitten im Ort gelegen, ist das familiär geführte Haus alles Andere als ein biederer Dorfgasthof. Denn ebenso wie Tochter Elke ihr Metier im renommierten Freiburger Colombi-Hotel gelernt hat, so hat ihr Bruder Willi unter anderem in der „Auberge du Raisin“ (zwei Michelin-Sterne) in Cully am Genfer See gearbeitet. Die Eltern bleiben aber weiter im Geschäft. Vater Willi senior zum Beispiel sorgt als gelernter Metzger für Qualität bei Wurst- und anderen Fleischwaren – ein kulinarischer Komfort, der Frühstücks- und Restaurantgästen ebenso zu Gute kommt wie den Passanten, die im „Lädle“ der „Rose“ einkaufen.

Ländliche Gastlichkeit, die vielen Ansprüchen genügt: gebratener Zander auf Spinat in der "Rose" zu Bitzfeld.
Ganz vom Zusammenhalt einer Familie lebt auch der Landgasthof Krone (www.krone-sindringen.de) in Sindringen unweit von Forchtenberg. Derweil Mutter Ilsetraud und Tochter Angelika den Service leiten, steht der Vater in der Küche und kreiert authentische Spezialitäten wie Rumpsteak vom Hohenloher Weiderind und Hägemark-Parfait, ein Dessert, dessen Basis in anderen Teilen Deutschlands „Hagebutte“ heißt. Vater in der Küche, Mutter und Tochter im Service heißt die Devise auch in der Besenwirtschaft des Weinguts Weihbrecht (www.weingut-weihbrecht.de), das – in Bretzfeld-Schwabbach unweit der Grenze zu Schwaben gelegen – zu den besten und gleichzeitig typischsten seiner Region gehört. Die Rieslinge aus den Lagen Siebeneicher Himmelreich und Verrenberger Lindelberg zeigen, von Vater Richard im Keller ausgebaut, ein großes Maß an Kultur. Der im Holzfass ausgebaute trockene 2009er Dornfelder „Baccara“ zeigt genügend Finesse, um die vom Image her noch immer ziemlich ramponierte Sorte endgültig zu rehabilitieren. Württembergs traditionelle Rotweine wie Lemberger, Trollinger und Schwarzriesling fehlen auf Weihbrechts Liste ebenso wenig wie der Klassiker Spätburgunder. Regina Weihbrecht indes bietet Neueinsteigern und eingefleischten Viertele-Schlotzern noch etwas: Sie ist zertifizierte Weinerlebnisbegleiterin und steht Gästen für Entdeckungstouren rund um Weinberg, Natur und Keller zur Verfügung.

Charmant und kenntnisreich: Regina Weihbrecht aus Schwabbach ist zertifierte Weinerlebnisbegleiterin.
Geheimtipps gibt es im Übrigen viele – zum Beispiel die Führungen durch das hoch auf einem Berg gelegene Städtchen Waldenburg (www.waldenburg-hohenlohe.de, Rufnummer 07942/1080) mit der Trachtenträgerin Anneliese Ottliczky, einer höchst gewitzten alten Dame, oder die Ferienwohnungen beim „Haus am Limes“ von Irene Truckenmüller (www.fewo-truckenmueller.de) in Pfedelbach-Renzen – eine Attraktion eigenen Rechts, denn das Haus liegt nicht nur inmitten von Weinbergen und Apfelbäumen – es hat auch ein eigenes Backhaus. Und wer nett ist zur Chefin, bekommt ein frisches Bauernbrot oder ein Ei der hundert Legehennen, die in artgemäßer Haltung ständig vor sich hin gackern. Denn in Hohenlohe ist vor allem an einem niemals Mangel: an Gastfreundschaft. Nur als Schwaben sollte auch ein Greenhorn nie ein Hohenloher bezeichnen. Sonst kann auf einmal doch noch Schluss mit lustig sein.

Liebenswerte Fremdenführerin: Anneliese Ottliczky aus Waldenburg trägt zumindest im offiziellen Rahmen noch immer Tracht.
One Comment on "Hohenlohe: Zu Gast im Schlaraffenland"
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Schlaraffenland am KaiserstuhlVon Christoph Hahn
Es soll Leute geben, denen schon Kilometer vor der Autobahnausfahrt Riegel die Spucke im Munde zusammenläuft. Denn Riegel ist die Ausfahrt für das malerische Städtchen Endingen am Kaiserstuhl. Und in Endingen, tief drin in Baden und nicht etwa in einer Großstadt, wirkt und wurstet Markus Dirr. Markus Dirr hat unter den deutschen Metzgern so etwa den Stellenwert wie unter den Köchen der Republik ein Harald Wohlfahrt oder ein Stefan Marquardt. Der ist wie Dirr ausgebildeter Fleischer und Koch in einer Person. Dirr (www.metzgerei-dirr.de) wiederum hat auch nicht immer gleich hinter der recht schmalen Verkaufstheke an der Königschaffhauser Straße mit Messer, Beil und anderen Instrumenten seines Handwerks hantiert. Der Endinger hat sich seinerseits zehn Jahre lang durch die besten Restaurants gekocht, und das in Frankreich, Italien, den USA und auf den Bermudas – unter anderem. Vor allem aber hat der Kaiserstühler immer seine Nase in den Wind gehalten und Gerüche wie Aromen aus der großen weiten Welt nach Endingen mitgebracht.
Dirr spielt in der Königsklasse mit, Dirr entwickelt traditionelle Produkte wie Schinken, Speck und Dauerwurst weiter, Dirr ist kreativ und beherrscht das Bodenständige ebenso wie das Weltläufige – und steht deshalb stellvertretend für so viele, die auf dem Kaiserstuhl flüssige oder bissfeste Leckereien an den Mann oder die Frau bringen. Durchaus bodenständig wirkt Thomas Landerer (www.weingut-landerer.de) aus Niederrotweil, der längst in einschlägigen Führern wie Gaullt-Millau und Eichelmann gute Bewertungen erntet und trotzdem in seinem „Weinbergsbummler“ mit 60 Sitzplätzen Touristen durch seine Weinberge fährt. Fast alle Genusshandwerker der Region glühen vor Leidenschaft; mit dem Erreichten begnügen sie sich noch lange nicht. Darum sind Leute wie Landerer so authentisch: Sie können, wie der Winzer mit seinem „LaSecco“, durchaus internationale Töne anschlagen und bezeugen dennoch mit ihren Burgundern (um die es am Kaiserstuhl hauptsächlich geht) das Land, auf dem die Trauben wachsen.
Das hält auch Landerers Mitbürger Lothar Koch so. Der Name hält, was er verspricht: Koch heißt nur so – er ist auch tatsächlich Koch, und zwar ein höchst origineller. In seinem Restaurant (www.gasthaus-zum-kaiserstuhl.de) in unmittelbarer Nähe zur Niederrotweiler Dorfkirche St. Michael bringt er hauptsächlich (aber nicht nur), was an Kräutern, Gemüse, Obst und Blüten in seinem Garten wächst und dehnt den Terroir-Gedanken vom Trink- aufs Essbare aus. Und was er hinzukauft, kommt überwiegend von regionalen Herstellern – der Ziegenkäse zum Beispiel von einen Aussteiger aus den Vogesen, der Topinambur-Schnaps von Bauer Otto Ihle aus dem Zwillingsdorf Oberrotweil.
Ambitionierte Anbieter gibt es am und auf dem Kaiserstuhl wahrlich genug – zum Beispiel das Weingut Bercher (www.weingutbercher.de) in Burkheim, eine beschaulichen „Städtle“ (bloß nicht von „Dorf“ reden) mit gerade mal 942 Einwohnern. Hier gibt es eine Vielzahl von Attraktionen wie das Fachwerk-„Haus zu den fünf Türmen“, das Rathaus mit dem vorderösterreichischen Wappen, die Kirche St. Pankratius und die Schlossruine am Rand des Ortskerns. Wer sich diese Idylle einmal besuchen will, sollte erwägen, die Dienste eines Führers (www.kaiserstuehler-gaestefuehrer.de) in Anspruch zu nehmen. Denn wer mit Einheimischen wie Regina Jenne die Schönheiten Burkheims betrachtet, sieht mehr. Die Kaiserstühler Gästeführer schärfen den Blick der Touristen für Dinge, die sie sonst nicht sehen – zum Beispiel dafür, dass die Berchers zwischen dem Kelterhaus vor dem Stadttor und ihrem Gutshaus von 1730 eine unterirdische Leitung verlegt haben. Denn Platz ist in Burkheim nun Mangelware – auch und gerade falls jemand wie die Berchers schon als Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) einen gewissen Status besitzt und dabei noch mehr erreichen will. Vater Rainer Bercher steht jedenfalls schon mal an der Abfüllanlage oder packt Flaschen in Kartons, derweil sein Sohn Arne – der zusammen mit seinem Papa sowie dessen Bruder Eckhardt und seinem Sohn Martin die Verantwortung für das Gut trägt – mit dem Refraktometer den Zuckergehalt der ankommenden Trauben prüft, ansonsten aber sich um das Marketing kümmert. Solche Familienbetriebe, die sich innovativ und traditionell zugleich orientieren, sind es, die das „Ländle“ stark gemacht haben.
Burkheims Vorrat an Sehenswürdigkeiten ist mit dem Haus der Berchers und anderen architektonischen Kostbarkeiten noch lange nicht erschöpft. Eine andere Attraktion gibt es quasi im Doppelpack: Zwischen Ostern und dem 31. Oktober gibt es mittwochs und sonntags um 22 Uhr die Gelegenheit zum Nachtwächter-Rundgang ab Stadttor, detaillierte Erklärungen zur Historie und wohldosierte Deftigkeiten wie zum Beispiel der Exkurs über das Schenkelrecht inklusive. Ganz und gar nicht deftig geht es in dem knapp einen Kilometer vom Treffpunkt gelegenen Hotel Kreuz-Post zu, wo Patron Raner Gehr vor Beginn der Tour mit einem kreativ-regionalen „Nachwächtermenü“ aufwartet, Schnecken-Lasagne und Spätburgunder-Granité eingeschlossen (nähere Informationen: www.kreuz-post.de und www.burkheimer-nachtwaechter.de). Ein unbedingtes Muss zum Kaffee oder Espresso: der Sauerkirsch-Edelbrand von Senior Ernst Gehr. Nicht gerade zur nachtschlafenden Zeit hingegen
So klein Burkheim ist, so reich ist es an Kuriositäten. Denn es gibt in dem wie Nieder- und Oberrotweil zur Gemeinde Vogtsburg zählenden Ort auch noch Bernhard Maurer und sein Korkenzieher-Museum (www.korkenzieher.de), das mittwochs bis samstags zwischen 11 und 18 Uhr sowie nach telefonischger Vereinbarung unter 0163/7001242 geöffnet hat. Beim Kunststudium in Konstanz hat der heutige Inhaber eines Geschäftes für Design-Artikel und Galerist (unter anderem zeigt Maurer Arbeiten von Peter Gaymann und Tomi Ungerer) die erste Anregungen bekommen. Seither hat ihn das Thema nie mehr los gelassen. Heute gehören zu seinen Schätzen rund 1200 Korkenzieher, darunter außerordentlich kuriose Geräte mit Batterieantrieb und das älteste Subjekt, das vor rund 300 Jahren in England hergestellt wurde.
Ein Juwel von einem Städtchen ist aber auch das nahe gelegene Endingen (www.endingen.de), der Heimatort von Meister-Metzger Dirr. Nahrhaft geht es indes nicht nur in seinen Ladengeschäften, sondern auch beim Käserei-Museum in der Rempartstraße, nahe dem Bahnhof am Rande der Altstadt des im Zweiten Welrkrieg weitgehend unzerstört gebliebenen Endingen zu. Zwischen 1901 und 1948 hat hier Meister Seraphin Risch in Handarbeit diverse (Weich-)Käsesorten hergestellt. 30 weitere Jahre betrieben sein Sohn und dessen Frau an selber Stätte ein Milchgeschäft, bevor die Immobilie 1978 vermietet wurde. Doch dann gab es Gottseidank den Molkerei-Fachmann Konstantin Stöckle, der das Haus an der Rempartstraße der Vergessenheit entriss und nebst Mitstreitern dafür sorgte, dass allerlei Ausstellungsstücke in die Zeit erinnern, als Käse noch nicht eine weithin industriell gefertigte Massenware war. Geöffnet hat das einzigartige und bemerkenswerte Haus von Ostern bis November von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags ab 18 Uhr (weitere Auskünfte: Kaiserstühler Verkehrsbüro, 07642/689990 bzw. info@endingen.de).
Doch damit der Attraktionen dieses beschaulichen und malerischen Kleinstadt-Idylle nicht genug: Ein Besuch in den Kirchen St. Peter und St. Martin sollte deshalb ebenso auf dem Programm stehen wie ein Spaziergang durch die Weinberge ringsum zum 492 Meter hohen Katharinenberg oder anderen Aussichtspunkten. Geschichtsbewussten Besuchern empfiehlt sich zudem das Vorderösterreich-Museum im Adelshof (hier ist die Tourist-Information untergebracht) und ein Besuch im (im Gegensatz zu Endingen evangelischen) Königschaffhausen mit seiner Winzergenossenschaft (www.koenigschaffhauser-weine.de) und ihren mehrfach preisgekrönten Produkten.
Ganz und gar nicht komplett ist ein Besuch am und auf dem Kaiserstuhl, wenn nicht Breisach auf dem Programm steht – nicht nur weil die Stadt am Rhein mit 14.000 Einwohnern (9000 davon im Kernbereich) der größte Ort des Gebietes. Breisach hat Touristen viel zu bieten, und seien es die Marktplatz-nahen Cafés Ihringer und Bechtel in der Unterstadt. Ganz in der Nähe liegt die Tourist-Info (www.breisach.de) nebst der vom ebenso sympathischen wie kompetenten Ehepaar Wetter geführten Vinothek. Und es nicht weit zur Sektkellerei Geldermann (www.geldermann.de) am Schlossberg, wo täglich um 14 Uhr (sonn- und feiertags nur von März bis Oktober; Eintrttsgeld: vier Euro) eine offene Führung (weitere können unter der Durchwahl 07667/834-258 vereinbart werden) stattfindet – Verkostung hinterher inbegriffen.
Die größte Kostbarkeit perlt jedoch nicht im Glas und ist für kein Geld der Welt zu haben: Das Breisacher Münster, St. Stephan geweiht, erhebt sich hoch über der Stadt und enthält diverse Kostbarkeiten, deren Wert sich auch Ungläubigen erschließt. Im Westbau finden sich die fesselnden, zwischen 1488 und 1491 entstandenen Wandbilder des in Breisach verstorbenen Malers Martin Schongauer, dessen Darstellungen des Jüngsten Gerichts Betrachter heute noch packen. Eine ähnliche Energie geht von dem 1526 vollendeten, geschnitzten Hauptaltar des nur unter seinem Kürzel „Meister H.L.“ auss, während der Schrein der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius die Kraft des Glaubens eher auf stille Weise bezeugt.
Bliebe noch der Badische Winzerkeller, draußen vor der Stadt in einem Gewerbegebiet gelegen, dort, wo sich die Gleise der Kaiserstuhlbahn von denen der Breisgau-S-Bahn trennen. Eine Führung zu Fuß und mit dem „Besucherbähnle“ (zu buchen via www.badischer-winzerkeller.de im Internet oder telefonisch unter 07667/900-270 bei Maria Reber vom Besucherservice) dokumentiert eindrucksvoll: Genossenschaften, selbst und gerade große wie der Winzerkeller mit 67 angeschlossenen Ortsgenossenschaften und um die 5000 zugehörigen Winzern, beherrschen die für den Lebensmitteleinzelhandel bestimmte Produktion im großen Rahmen ebenso wie den Roten oder Weißen für Endverbraucher Genossenschaften haben das Misstrauen, das ihnen vielfach noch entgegen gebracht wird, nicht verdient. Die Zeiten, da das oberste Gebot „Masse statt Klasse“ hieß, sind eh seit mindestens zehn Jahren vorbei. Das Sortiment ist vielgliedriger geworden. Und das der Verbraucher heute mehr über Wein weiß als zuvor, haben die Verantwortlichen inzwischen aufmerksam registriert.
Bliebe noch die Quartier-Frage. Im Luxus-Bereich gibt es kaum Möglichkeiten, von Franz Kellers legendärem „Schwarzen Adler“ (www.franz-keller.de) einmal abgesehen. Sehr gut bestückt ist der Kaiserstuhl mit guten bis sehr guten Gasthöfen wie dem „Hotel Bräutigam“ in unmittelbarer Nähe zur Winzergenossenschaft (www.winzergenossenschaft-ihringen.de) und zum Bahnhof von Ihringen an der Breisgau-S-Bahn. Außerordentlich originell von seiner Lage wie von seinem Patron her wirkt das Hotel Kapuzinergarten in Breisach (www.kapuzinergarten.de), das aus den Zimmern wie von der Terrasse und dem Restaurant mit seiner pfiffigen badisch-elsässischen Regionalküche seine Gästen einen unvergleichlichen Ausblick bietet. Einen subtilen Charme entfaltet das Landhaus Trautwein am Bahnhof von Oberrotweil: Sieht von außen auf den ersten Blick erst mal aus wie ein Gasthof von vielen, bietet jedoch im Inneren besonders in den hohe Zimmern mit ihren Bodenbrettern ein spannendes Zusammnspiel von alter Design und moderner Substanz. Bodenständig und modern zugleich: das schon erwähnte „Kreuz-Post“ in Burkheim. Wer dann noch Alternativen sucht, ist mit der regionalen Touristik-Website www.kaiserstuhl.cc gut beraten. Diese Internet-Seite bietet zudem eine ganze Schatzkiste voll mit Informationen über diese vom lieben Gott verwöhnten Gegend Deutschlands.
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Simone on Mi, 20th Okt 2010 14:34
Ich war selbst schon oft in der Hohenloher Gegend. Vor allem Neuenstein und Künzelsau sind Örtchen die es mir angetan haben. Jedem, der für ein paar Tage dem Büroalltag entfliehen und einfach abschalten will, kann ich diese Gegend nur empfehlen.