Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Seite hinzugefügt März 29, 2011
Von Christoph Hahn
Vielleicht ist es die Ruhe, die in dieser Landschaft liegt: Im Schwarzwald ist jedenfalls eine ganz besondere Architektur herangewachsen, die ihr Terroir, ihren Boden nicht verleugnet und die trotzdem nicht folkloristisch wirkt. Deutschlands äußerster Südwesten erweist sich, nicht nur was die Baukunst betrifft, als ganz und gar nicht provinziell. Viele Beispiele von vielen verschiedenen Häusern mit einem unterschiedlich weit entwickelten privaten oder öffentlichem Charakter gibt es hier. Die, die sie entwarfen, und die, die sie bei ihnen in Auftrag gaben, sind – so stellt sich bei der Recherche vor Ort heraus – fest in ihrer Heimat verwurzelt und blicken dennoch (oder gerade deshalb) aus wachen Augen weit in die Welt hinaus.
Die Touristiker der Region (www.schwarzwald-tourismus.info) sind jedenfalls ebenso wie ihre Kollegen auf Baden-Württemberg-Ebene (www.tourismus-bw.de) sind jedenfalls auf diese Architektur, die ohne verlogenen Charme auskommt, ganz ohne Klischees, mächtig stolz. Die Schwarzwälder wissen zwar, dass Reisende ihre Heimat mit überkragenden Walmdächern und kirschroten Bollenhüten verbinden. Trotzdem sind sie in der Moderne angekommen, auch wenn sie bodenständig geblieben sind. Dabei sind Schätze der Kultur entstanden, die sich – Bollenhut hin, Walmdach her – inzwischen zu Besucherattraktionen entwickelt haben. Zum neuen Schwarzwald gehört nicht zuletzt das „Haus der Natur“ am Feldberg (www.naturpark-suedschwarzwald.de oder www.naz-feldberg.de), das auf eine neue gesellschaftliche Kernkompetenz setzt: das Bewusstsein für die Umwelt und den schonenden Umgang mit der Natur.
Auf eine ganz gewisse Weise erweist sich gerade bei diesem Gebäude eine gewisse Nähe zwischen Wein und Architektur. So wie beispielsweise ein Riesling oder ein Spätburgunder mit ihrem Duft und ihrem Geschmack den Boden und das Gestein, auf dem sie gewachsen sind, bezeugen, so steht auch das „Haus der Natur“ für den Ort, an dem es sich befindet. Denn das helle Holz der Fichte ist in der direkten Umgebung gewachsen; die Gemeinde Feldberg hat es für den 2001 vollendeten Bau gestiftet. Zugleich steht das Haus für den neuen Regionalismus der Schwarzwälder Architektur. Denn dem Gebäude des Architekten Peter Stollberg, der gleichfalls in der Region wohnt und arbeitet, haftet nichts mehr von dem Charme der Walmdächer, Bollenhüte oder – um das Klischee ganz auf die Spitze zu treiben – Kuckucksuhren an. So spiegeln die geschwungenen Konturen etwas von der Dynamik der Ski-Abfahrtsstrecke nebenan wider. Doch das Material ist unzweifelhaft von hier – genau wie der kauzig-humorvolle Ranger, der im Inneren als kunstvoll animierte Puppe mit lebendem Vorbild auf Fragen zum Naturschutzzentrum Feldberg teilweise schräge, aber dabei immer zutreffende Antworten gibt.

Unzweifelhaft ein Stück Schwarzwald und dennoch ein modernes Haus voller grandioser Ein- und Ausblick: das Hotel "Die Halde" bei Oberried. Foto: Hahn
Der Geschlossenheit der traditionellen Bauernhöfe setzt das „Haus der Natur“ seine Offenheit entgegen. Seiner Umgebung, dem Terroir des Feldberges, gegenüber begegnet es mit einer breiten Fensterfront in Höhe des gesamten Gebäudes. Will sagen: Sobald der Besucher hinzutritt, sieht er schon hinein. Auf ganz andere Weise öffnet sich das 1996 unter Leitung des Lahrer Architekten Carl Langenbach (www.werkgruppe-lahr.de) behutsam einem Altbau einverleibte und 2007 um das zweistöckige Schauinsland-
Badehaus ergänzte Hotel „Die Halde“ (www.halde.com) bei Oberried der Landschaft und den Menschen gegenüber. In seinem Inneren hell, freundlich und modern mit unübersehbaren Holzakzenten gestaltet, ist es der Natur ringsum nicht nur durch die entnommene Materialien und die

Dieses Schild zeigt am Hotel und anderen prämierten Gebäuden an: Hier gibt es ausgezeichnete Architektur. Foto: Hahn
Rund um den südlichen Schwarzwald, am Feldberg und weiter weg, gibt es Menschen, die wie Carl Langenbach und sein Kollege Eckhard Bull, Vorsitzender des Bezirks Freiburg der Architektenkammer Baden-Württemberg, Visionen entwickeln, und Menschen, die wie die Hegars von der „Halde“ Geld bereit stellen, um aus diesen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist wahrscheinlich der intellektuelle Humus, der in dieser Region eine Baukunst entstehen lässt, die zugleich modern und trotzdem durch ihre Formen-, Farb- und Materialbezüge unverwechselbar ihre Heimat bezeugt. Das Hotel jedenfalls gehört ebenso wenig nach
Allerweltshausen wie das Radon-Revital-Bad (www.radonrevitalbad.de) in dem 700-Seelen-Ort Menzenschwand (www.menzenschwand.eu) bei St. Blasien. Der Entwurf des Freiburgers Detlef Sacker betreibt gewissermaßen ein doppeltes Spiel: Zum einen sticht das Gebäude aus der Ortsbebauung heraus und müht sich erst gar nicht, sich quasi in einer Art von Demutsgeste klein zu machen, zum anderen öffnet es sich mit seinen breiten Glasfronten weit der Natur und der Bergwelt, die es umringen. Jede Menge Landschaft, in der sich – unweit des Bades – der von einer Kölner Eigentümerfamilie bewohnte historische Franz-Seppe-Hof aus dem Jahr 1748 findet. Visionäre finden sich aber nicht nur im Tal, sondern mitunter mitten im Wald, so am und im Windberghof (www.swr.de/regionen/schwarzwald/holger-albrecht-windberghof/-/id=3388/nid=3388/did=7046192/sfaudl/index.html) oberhalb von St. Blasien, wo Holger Albrecht mit seiner Familie und seinem Bruder, dem Akkordeon-Virtuosen und Musiklehrer Oliver Albrecht, ein zurückgezogenes Leben führt, das nicht zuletzt durch den Verkauf von Ziegenkäse und ähnlichen Agrarprodukten finanziert wird.
Auf ganz andere Weise geht der mehrfach prämierte Zimmerermeister Christian Lehmann aus St. Georgen (www.lehmann-holz-bauten.de) mit dem um, was ihm seine Heimat an die Hand gibt, um der Moderne Gestalt zu geben. Mit der Kühnheit des Könners schafft der Bauernsohn Häuser und andere Gebäude, die rein nichts von einer heimeligen folkloristischen Idylle an sich haben, aber dennoch dem Leben einen Raum und eine Umwelt schaffen. Eingebunden in Netzwerke wie auch Lehmann ist sein Fachkollege Bruno Kaiser (www.bruno-kaiser.de) aus Bernau (www.bernau-schwarzwald.de), dem Geburtsort des Malers Hans Thoma. Das Bauen mit
Holz, gewinnt der Besucher als Eindruck, scheint nachgerade zum Aushängeschild dieses touristisch bedeutsamen Ortes zu sein, dessen Bürgermeister Rolf Schmitt streng auf ein geschlossenes und ursprüngliches Erscheinungsbild achtet. Und außer Bäumen gibt es in dieser aus mehreren Orten zusammen gesetzten Gemeinde vor allem eines in Fülle: Stille.
Daraus stammt die Kraft, die Energie, mit der Handwerker in den Dörfern von Bernau ihrem Werkstoff etwas Neues abgewinnen. Den Blick für die Tradition haben sich die Bürger dennoch bewahrt, wie ein Rundgang durch das mehr als 200 Jahre alte Gebäude des Heimatmuseums Resenhof rasch zeigt. Anschaulich werden hier, im Ortsteil Oberlehen, Leben und (durch Werkzeuge und vorelektronische Maschinen von verschiedener Art) Arbeiten der Bewohner im Verlauf der langen Hof-Geschichte dokumentiert – Kachelofen und andere authentische Interieurs in der guten Stube des Hauses inklusive. Wohin die Reise durch die Zeit führen kann, mag der Reisende dann wenige Schritte neben dem Heimatmuseum bestaunen: Hell, freundlich und auf eine dem Menzenschwander Radon-Revital-Bad vergleichbare Weise transparent erhebt sich dort die 2007 eröffnete Multifunktionshalle „erlebnis:Holz“, gleichfalls ein Entwurf von Carl Langenbach. Dem Resenhof angepasst und dabei in seiner Gestaltung dennoch autonom, gibt das von Bruno Kaiser sowie einer Reihe seiner in Bernau verankerten Kollegen mit gestaltete Haus Auskunft über den aktuellen Stand der Bauens mit Holz und die handwerklichen Kniffe aller derer, die sie ausüben.
Wie diese Tradition darin münden kann, dass aus dem Handwerker ein Künstler wird, der mit kleinen Dingen dem modernen Leben etwas mehr Feinheit gibt, zeigt nur wenige Schritte entfernt der Drechsler Alexander Ortlieb (www.ortlieb-bernau.de) mit seinem Atelier. Als Unikate auf den Markt gebrachte Gewürzmühlen, die „Salinas“ genanten Salzschalen, bei denen ein zierlicher Deckel dafür sorgt, dass das so aufgehobene Salz nicht so schnell schal wird, und noch viele andere Dinge mehr, darunter naturnah nachgeformte Eierschalen, verraten etwas vom ungeheuren Reichtum des Urhebers, was den Umgang mit Material, Formen und Ideen angeht. Ortlieb erweist sich jedenfalls mit jedem Ding, das aus seinen Händen den Weg in den von seiner Ehefrau betreuten Verkaufsraum findet, als Pfiffikus und Poet.
Sehr viel mondäner sieht die Welt da schon in Hinterzarten (www.hochschwarzwald.de) aus – zumal, wenn der Tourist das von der Hotelerbin Katja Trescher zusammen mit Manager Olaf Galaburda geführte Parkhotel Adler (www.parkhoteladler.de) aufsucht. Unweit der katholischen Kirche inmitten eines üppigen Parks gelegen, präsentiert sich dieses frisch
renovierte luxuriöse erste Haus am Platze im Empfangsbereich erst einmal plüschig-neobarock, auf den Zimmern aber dafür ebenso neuzeitlich wie höchst angenehm. Besuchern stehen selbstredend die drei gastronomischen Betriebe des Hotels offen, zu denen neben dem in der Urzelle des Hotels, dem von 1638 datierenden Wirtshaus, untergebrachten Restaurant mit seiner frischen Regionalküche und dem vom Jugendstil geprägten Kaffeehaus „Diva“ das „Marie Antoinette“ gehört, in dem der aus der westkanadischen Metropole Vancouver stammende Chefkoch Simon Bragg Couthard seine persönliche Verbindung von Pacific-Rim-Cuisine, südlicher Sinnlichkeit und kulinarischer Moderne pflegt.
Wenn die Freunde solcher gehobener Gastlichkeit die Sehnsucht nach dem ganz normalen Freizeit-Vergnügen heimsucht, ist das vor noch nicht allzu langer Zeit eröffnete Badeparadies Titisee (www.badeparadies-schwarzwald.de) mit seinen Bade- und Sauna-Welten. Ein weiteres Ausflugsziel und Beispiel sowohl für den Gemeinsinn von Bauherren als auch für ihren sensiblen Umgang mit alter Susubstanz, Hotel, Restaurant, Wohnhaus für Behinderte und noch mehr in einem: die Rainhof-Scheune (www.rainhof-scheune.de) in Kirchzarten-Burg. Und für Freunde des Wintersports ein Muß: das nicht zuletzt vom legendären Olympiasieger und Bürger des Ortes, Georg Thoma, reich mit Leihgaben und Schätzen bedachte Skimuseum (www.schwarzwaelder-skimuseum.de) im altehrwürdigen Hugenhof von Hinterzarten. Über viele weitere Angebote und mögliche Quartiere informiert im Übrigen die mit Informationen aller Art nur so gespickte Website www.schwarzwald-tourismus.info.
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Schlaraffenland am KaiserstuhlVon Christoph Hahn
Es soll Leute geben, denen schon Kilometer vor der Autobahnausfahrt Riegel die Spucke im Munde zusammenläuft. Denn Riegel ist die Ausfahrt für das malerische Städtchen Endingen am Kaiserstuhl. Und in Endingen, tief drin in Baden und nicht etwa in einer Großstadt, wirkt und wurstet Markus Dirr. Markus Dirr hat unter den deutschen Metzgern so etwa den Stellenwert wie unter den Köchen der Republik ein Harald Wohlfahrt oder ein Stefan Marquardt. Der ist wie Dirr ausgebildeter Fleischer und Koch in einer Person. Dirr (www.metzgerei-dirr.de) wiederum hat auch nicht immer gleich hinter der recht schmalen Verkaufstheke an der Königschaffhauser Straße mit Messer, Beil und anderen Instrumenten seines Handwerks hantiert. Der Endinger hat sich seinerseits zehn Jahre lang durch die besten Restaurants gekocht, und das in Frankreich, Italien, den USA und auf den Bermudas – unter anderem. Vor allem aber hat der Kaiserstühler immer seine Nase in den Wind gehalten und Gerüche wie Aromen aus der großen weiten Welt nach Endingen mitgebracht.
Dirr spielt in der Königsklasse mit, Dirr entwickelt traditionelle Produkte wie Schinken, Speck und Dauerwurst weiter, Dirr ist kreativ und beherrscht das Bodenständige ebenso wie das Weltläufige – und steht deshalb stellvertretend für so viele, die auf dem Kaiserstuhl flüssige oder bissfeste Leckereien an den Mann oder die Frau bringen. Durchaus bodenständig wirkt Thomas Landerer (www.weingut-landerer.de) aus Niederrotweil, der längst in einschlägigen Führern wie Gaullt-Millau und Eichelmann gute Bewertungen erntet und trotzdem in seinem „Weinbergsbummler“ mit 60 Sitzplätzen Touristen durch seine Weinberge fährt. Fast alle Genusshandwerker der Region glühen vor Leidenschaft; mit dem Erreichten begnügen sie sich noch lange nicht. Darum sind Leute wie Landerer so authentisch: Sie können, wie der Winzer mit seinem „LaSecco“, durchaus internationale Töne anschlagen und bezeugen dennoch mit ihren Burgundern (um die es am Kaiserstuhl hauptsächlich geht) das Land, auf dem die Trauben wachsen.
Das hält auch Landerers Mitbürger Lothar Koch so. Der Name hält, was er verspricht: Koch heißt nur so – er ist auch tatsächlich Koch, und zwar ein höchst origineller. In seinem Restaurant (www.gasthaus-zum-kaiserstuhl.de) in unmittelbarer Nähe zur Niederrotweiler Dorfkirche St. Michael bringt er hauptsächlich (aber nicht nur), was an Kräutern, Gemüse, Obst und Blüten in seinem Garten wächst und dehnt den Terroir-Gedanken vom Trink- aufs Essbare aus. Und was er hinzukauft, kommt überwiegend von regionalen Herstellern – der Ziegenkäse zum Beispiel von einen Aussteiger aus den Vogesen, der Topinambur-Schnaps von Bauer Otto Ihle aus dem Zwillingsdorf Oberrotweil.
Ambitionierte Anbieter gibt es am und auf dem Kaiserstuhl wahrlich genug – zum Beispiel das Weingut Bercher (www.weingutbercher.de) in Burkheim, eine beschaulichen „Städtle“ (bloß nicht von „Dorf“ reden) mit gerade mal 942 Einwohnern. Hier gibt es eine Vielzahl von Attraktionen wie das Fachwerk-„Haus zu den fünf Türmen“, das Rathaus mit dem vorderösterreichischen Wappen, die Kirche St. Pankratius und die Schlossruine am Rand des Ortskerns. Wer sich diese Idylle einmal besuchen will, sollte erwägen, die Dienste eines Führers (www.kaiserstuehler-gaestefuehrer.de) in Anspruch zu nehmen. Denn wer mit Einheimischen wie Regina Jenne die Schönheiten Burkheims betrachtet, sieht mehr. Die Kaiserstühler Gästeführer schärfen den Blick der Touristen für Dinge, die sie sonst nicht sehen – zum Beispiel dafür, dass die Berchers zwischen dem Kelterhaus vor dem Stadttor und ihrem Gutshaus von 1730 eine unterirdische Leitung verlegt haben. Denn Platz ist in Burkheim nun Mangelware – auch und gerade falls jemand wie die Berchers schon als Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) einen gewissen Status besitzt und dabei noch mehr erreichen will. Vater Rainer Bercher steht jedenfalls schon mal an der Abfüllanlage oder packt Flaschen in Kartons, derweil sein Sohn Arne – der zusammen mit seinem Papa sowie dessen Bruder Eckhardt und seinem Sohn Martin die Verantwortung für das Gut trägt – mit dem Refraktometer den Zuckergehalt der ankommenden Trauben prüft, ansonsten aber sich um das Marketing kümmert. Solche Familienbetriebe, die sich innovativ und traditionell zugleich orientieren, sind es, die das „Ländle“ stark gemacht haben.
Burkheims Vorrat an Sehenswürdigkeiten ist mit dem Haus der Berchers und anderen architektonischen Kostbarkeiten noch lange nicht erschöpft. Eine andere Attraktion gibt es quasi im Doppelpack: Zwischen Ostern und dem 31. Oktober gibt es mittwochs und sonntags um 22 Uhr die Gelegenheit zum Nachtwächter-Rundgang ab Stadttor, detaillierte Erklärungen zur Historie und wohldosierte Deftigkeiten wie zum Beispiel der Exkurs über das Schenkelrecht inklusive. Ganz und gar nicht deftig geht es in dem knapp einen Kilometer vom Treffpunkt gelegenen Hotel Kreuz-Post zu, wo Patron Raner Gehr vor Beginn der Tour mit einem kreativ-regionalen „Nachwächtermenü“ aufwartet, Schnecken-Lasagne und Spätburgunder-Granité eingeschlossen (nähere Informationen: www.kreuz-post.de und www.burkheimer-nachtwaechter.de). Ein unbedingtes Muss zum Kaffee oder Espresso: der Sauerkirsch-Edelbrand von Senior Ernst Gehr. Nicht gerade zur nachtschlafenden Zeit hingegen
So klein Burkheim ist, so reich ist es an Kuriositäten. Denn es gibt in dem wie Nieder- und Oberrotweil zur Gemeinde Vogtsburg zählenden Ort auch noch Bernhard Maurer und sein Korkenzieher-Museum (www.korkenzieher.de), das mittwochs bis samstags zwischen 11 und 18 Uhr sowie nach telefonischger Vereinbarung unter 0163/7001242 geöffnet hat. Beim Kunststudium in Konstanz hat der heutige Inhaber eines Geschäftes für Design-Artikel und Galerist (unter anderem zeigt Maurer Arbeiten von Peter Gaymann und Tomi Ungerer) die erste Anregungen bekommen. Seither hat ihn das Thema nie mehr los gelassen. Heute gehören zu seinen Schätzen rund 1200 Korkenzieher, darunter außerordentlich kuriose Geräte mit Batterieantrieb und das älteste Subjekt, das vor rund 300 Jahren in England hergestellt wurde.
Ein Juwel von einem Städtchen ist aber auch das nahe gelegene Endingen (www.endingen.de), der Heimatort von Meister-Metzger Dirr. Nahrhaft geht es indes nicht nur in seinen Ladengeschäften, sondern auch beim Käserei-Museum in der Rempartstraße, nahe dem Bahnhof am Rande der Altstadt des im Zweiten Welrkrieg weitgehend unzerstört gebliebenen Endingen zu. Zwischen 1901 und 1948 hat hier Meister Seraphin Risch in Handarbeit diverse (Weich-)Käsesorten hergestellt. 30 weitere Jahre betrieben sein Sohn und dessen Frau an selber Stätte ein Milchgeschäft, bevor die Immobilie 1978 vermietet wurde. Doch dann gab es Gottseidank den Molkerei-Fachmann Konstantin Stöckle, der das Haus an der Rempartstraße der Vergessenheit entriss und nebst Mitstreitern dafür sorgte, dass allerlei Ausstellungsstücke in die Zeit erinnern, als Käse noch nicht eine weithin industriell gefertigte Massenware war. Geöffnet hat das einzigartige und bemerkenswerte Haus von Ostern bis November von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags ab 18 Uhr (weitere Auskünfte: Kaiserstühler Verkehrsbüro, 07642/689990 bzw. info@endingen.de).
Doch damit der Attraktionen dieses beschaulichen und malerischen Kleinstadt-Idylle nicht genug: Ein Besuch in den Kirchen St. Peter und St. Martin sollte deshalb ebenso auf dem Programm stehen wie ein Spaziergang durch die Weinberge ringsum zum 492 Meter hohen Katharinenberg oder anderen Aussichtspunkten. Geschichtsbewussten Besuchern empfiehlt sich zudem das Vorderösterreich-Museum im Adelshof (hier ist die Tourist-Information untergebracht) und ein Besuch im (im Gegensatz zu Endingen evangelischen) Königschaffhausen mit seiner Winzergenossenschaft (www.koenigschaffhauser-weine.de) und ihren mehrfach preisgekrönten Produkten.
Ganz und gar nicht komplett ist ein Besuch am und auf dem Kaiserstuhl, wenn nicht Breisach auf dem Programm steht – nicht nur weil die Stadt am Rhein mit 14.000 Einwohnern (9000 davon im Kernbereich) der größte Ort des Gebietes. Breisach hat Touristen viel zu bieten, und seien es die Marktplatz-nahen Cafés Ihringer und Bechtel in der Unterstadt. Ganz in der Nähe liegt die Tourist-Info (www.breisach.de) nebst der vom ebenso sympathischen wie kompetenten Ehepaar Wetter geführten Vinothek. Und es nicht weit zur Sektkellerei Geldermann (www.geldermann.de) am Schlossberg, wo täglich um 14 Uhr (sonn- und feiertags nur von März bis Oktober; Eintrttsgeld: vier Euro) eine offene Führung (weitere können unter der Durchwahl 07667/834-258 vereinbart werden) stattfindet – Verkostung hinterher inbegriffen.
Die größte Kostbarkeit perlt jedoch nicht im Glas und ist für kein Geld der Welt zu haben: Das Breisacher Münster, St. Stephan geweiht, erhebt sich hoch über der Stadt und enthält diverse Kostbarkeiten, deren Wert sich auch Ungläubigen erschließt. Im Westbau finden sich die fesselnden, zwischen 1488 und 1491 entstandenen Wandbilder des in Breisach verstorbenen Malers Martin Schongauer, dessen Darstellungen des Jüngsten Gerichts Betrachter heute noch packen. Eine ähnliche Energie geht von dem 1526 vollendeten, geschnitzten Hauptaltar des nur unter seinem Kürzel „Meister H.L.“ auss, während der Schrein der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius die Kraft des Glaubens eher auf stille Weise bezeugt.
Bliebe noch der Badische Winzerkeller, draußen vor der Stadt in einem Gewerbegebiet gelegen, dort, wo sich die Gleise der Kaiserstuhlbahn von denen der Breisgau-S-Bahn trennen. Eine Führung zu Fuß und mit dem „Besucherbähnle“ (zu buchen via www.badischer-winzerkeller.de im Internet oder telefonisch unter 07667/900-270 bei Maria Reber vom Besucherservice) dokumentiert eindrucksvoll: Genossenschaften, selbst und gerade große wie der Winzerkeller mit 67 angeschlossenen Ortsgenossenschaften und um die 5000 zugehörigen Winzern, beherrschen die für den Lebensmitteleinzelhandel bestimmte Produktion im großen Rahmen ebenso wie den Roten oder Weißen für Endverbraucher Genossenschaften haben das Misstrauen, das ihnen vielfach noch entgegen gebracht wird, nicht verdient. Die Zeiten, da das oberste Gebot „Masse statt Klasse“ hieß, sind eh seit mindestens zehn Jahren vorbei. Das Sortiment ist vielgliedriger geworden. Und das der Verbraucher heute mehr über Wein weiß als zuvor, haben die Verantwortlichen inzwischen aufmerksam registriert.
Bliebe noch die Quartier-Frage. Im Luxus-Bereich gibt es kaum Möglichkeiten, von Franz Kellers legendärem „Schwarzen Adler“ (www.franz-keller.de) einmal abgesehen. Sehr gut bestückt ist der Kaiserstuhl mit guten bis sehr guten Gasthöfen wie dem „Hotel Bräutigam“ in unmittelbarer Nähe zur Winzergenossenschaft (www.winzergenossenschaft-ihringen.de) und zum Bahnhof von Ihringen an der Breisgau-S-Bahn. Außerordentlich originell von seiner Lage wie von seinem Patron her wirkt das Hotel Kapuzinergarten in Breisach (www.kapuzinergarten.de), das aus den Zimmern wie von der Terrasse und dem Restaurant mit seiner pfiffigen badisch-elsässischen Regionalküche seine Gästen einen unvergleichlichen Ausblick bietet. Einen subtilen Charme entfaltet das Landhaus Trautwein am Bahnhof von Oberrotweil: Sieht von außen auf den ersten Blick erst mal aus wie ein Gasthof von vielen, bietet jedoch im Inneren besonders in den hohe Zimmern mit ihren Bodenbrettern ein spannendes Zusammnspiel von alter Design und moderner Substanz. Bodenständig und modern zugleich: das schon erwähnte „Kreuz-Post“ in Burkheim. Wer dann noch Alternativen sucht, ist mit der regionalen Touristik-Website www.kaiserstuhl.cc gut beraten. Diese Internet-Seite bietet zudem eine ganze Schatzkiste voll mit Informationen über diese vom lieben Gott verwöhnten Gegend Deutschlands.
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