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Hundert Prozent Öko, hundert Prozent Mosel: Timo Dienhart und seine merk-würdigen Rieslinge

Hundert Prozent Öko, hundert Prozent Mosel: Timo Dienhart und seine merk-würdigen Rieslinge thumbnail

 

Von Christoph Hahn

Mögen Winzer auch noch so ausgeprägte Individuen sein: Timo Dienhart aus Maring-Noviand ist immer auch anders. Der junge Mann aus dem Ort im Liesertal, das unweit von Bernkastel-Kues (Orte mit Bindestrich sind in dieser Region nicht gerade selten) an das der Mosel stößt, gehört mit seinem Weingut Zur Römerkelter (www.roemerkelter.de) zu den profilierten ökologischen Erzeugern der Region. Was sein Vater 1977 begonnen hat, führt der Sohn heute konsequent und von großer Überzeugungskraft getragen weiter.

Der Mann vom Maringer Honigberg: Timo Dienhart gehört zu den ideenreichsten Moselaner Öko-Winzern. Foto: Weingut

Dienhart ist unter den Winzern der Region zumal als Vertreter des Ecovin-Verbandes, als dessen Bundessprecher er fungiert, kein Unbekannter. Das liegt nicht nur an der Ausrichtung, die Dienhart seinem Gut gegeben hat – es liegt auch an der Qualität und Prägung der Weine aus der Lage Maringer Honigberg. Die stehen nämlich einigermaßen im merklichen Kontrast zum eher auf ein filigranes Erscheinungsbild hinzielenden klassischen Moselstil. Dienharts Rieslinge – die Solisten im weißen Teil des Programmes – wirken kraftvoll und ausdrucksstark. Im Wesentlichen trocken ausgebaut, sprechen sie den Konsumenten durch eine Verbindung von Frucht- und kräuterigen Würznoten mit einer sehr präsenten Mineralität.

Im Familienkreis: Die Dienharts zusammen mit einem ihrer unentbehrlichsten Helfer, Vaters Cousin Hermann Lichter (links).

Dienharts Rieslinge machen sich nicht klein und zeigen Statur. Dass sie nicht gerade von geringer Statur, zeigen ihre Namen an: Der verhältnismäßig leichte Einstiegsriesling heißt „Centurio“ und ist ein Kabinett. Die etwas kräftigere Variante, gleichfalls trocken, deutet noch mehr den Griff des jungen Winzers nach den Sternen an und heißt gleich schon „Titan“. Rundum vergnüglich: der feinherbe Kabinett „Blauschiefer“, ein Wein von fruchtiger Eleganz mit Genussgarantie, den Timo Dienhart wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb als „Anti-Stress-Wein“ deklariert. Seine Rückgriffe auf Bezeichnungen aus den Zeiten der alten Römer, da Trier für einige Zeit die Hauptstadt (siehe Konstantinsbasilika) eines zerkrümelnden Weltreiches war, sind alles Andere als gewollte oder aufgesetzte Kunstgriffe: Die Erde ringsum Honigberg, Römerpfad und Sonnenuhr – die drei Lagen im Portefeuille dieses Gutes – steckt voller archäologischer Hinterlassenschaften (Genaueres auf www.maring-noviand.de, wo sich auch touristisches Infos wie Hinweise auf Quartiere finden) aus antiker Zeit.

Der Mix macht's: Timo Dienhart hat einen speziellen Cocktail von allerlei Saaten entwickelt, um der Natur im Wingert und ringsum mit allem, was da kreucht und fleucht, aufzuhelfen. Foto: Hahn

Timo Dienhart wäre aber kein richtiger Ökowinzer, der sich an Standards und Statuten von Ecovin (www.ecovin.de) wirtschaftet, wenn der Umgang mit der Natur in und um den Wingert nicht mindestens ebenso wichtig wäre wie das, was in die Flasche und ins Glas kommt. Wein gehört für diesen Winzer zu einem komplexen System. Dabei ist der Moselaner keiner, der Weine „macht“. Er begreift sich eher als eine Art Moderator der Natur, der Prozesse steuert, aber nicht als jemand, der schon die Trauben am Stock so sehr seinem Willen unterwirft, dass am Ende ein durch und durch designetes Produkt auf die Flasche kommt. Vielmehr ist Dienhart, einer der den Boden und die Rebe regelrecht „liest“. Merkwürdig und eigenartig in des Wortes ureigenstem Sinn wirkt die Art und Weise, wie er auf die anhand von Farbe, Reife, Zustand des Erdreichs reagiert und im Sinne der ökologischen Landwirtschaft dem fein gewebte Zusammenspiel zwischen den Pflanzen an den Stöcken und allem, was dazwischen und darunter wächst und lebt, aufhilft: Das ist eigentlich schon wieder ein Mikrokosmos für sich.

Begonnen mit der Abkehr von der Unkrautbekämpfung mit Herbiziden und anderen chemischen Keulen hat schon Timo Dienharts Vater Hans, und das bereits im Jahre 1977. Der Filius hat das weiter entwickelt. Dabei geht es zum einen um Biodiversität, um Artenreichtum – kein Wunder, dass ein Teil der Römerkelter-Kollektion von Bee (Biene), Beetle (Käfer) und Bumblebee (Hummel) geziert wird. Ausgerechnet diese Insekten zu Symboltieren zu machen hat nichts mit einem Reklamegag oder anderen Mätzchen zu tun: Sie spiegelt ziemlich direkt die Realität im Weinberg wider. Da wird die Natur nicht nur eingespannt und berücksichtigt, auf dass es dem Wachstum der Reben nütze. Dienharts grünes Projekt wirkt komplexer: Es nutzt die Natur nicht nur durch eine vom Winzer kreierte Samen- und Pflanzenmischung, die am Rande des Wingerts ausgebracht wird, um später zwischen den Zeilen zu landen. Es geht um ein sehr viel komplexeres Denken, um ein System, das den Wein in weiter greifende Zusammenhänge einbindet – sei es dadurch, dass der ausgebrachte Samenmix den Bienen und Hummeln als Nahrungsquelle dient, sei es dadurch, dass Timo Dienhart so genannte Insektenhotels aufstellt.

Auch diese kleine Erdbeere fühlt sich wohl in Timo Dienharts Mix von Saaten. Foto: Weingut

Der Weinstil wirkt dementsprechend. Dienharts Rieslinge (darüber hinaus gehören Spätburgunder, Regent, Rotling und die Cuvée „Vinum Regius“ zum Programm) sind qua Frucht- und Würzaromen eindeutig Moselaner. Doch sie sind mehr: Mitunter können sie barocke Fülle südwestdeutscher Rieslinge ausstrahlen. Sie können filigran sein, aber auch Kraftkerle und in jede, Fall ausgeprägte Individuen. Sie sind auf jeden Fall so gewirkt, dass das stille Tal der Lieser in Zukunft mehr Aufmerksamkeit erhält.

Wer hierhin kommt, ist im sympathischen Privatquartier der Eheleute Edringer-Selbach (www.gaestehaus-edringer-selbach.de) bestens aufgehoben. Wer hochwertige Obstbrände schätzt, sollte im Übrigen bei Michael Hilgert (www.michaelhilgert.de) einen Termin vereinbaren und vorbeischauen. Weitere touristische Informationen gibt es auf der Website www.maring-noviand.de.



One Comment on "Hundert Prozent Öko, hundert Prozent Mosel: Timo Dienhart und seine merk-würdigen Rieslinge"

  1. Elke Boné on Mo, 5th Sep 2011 17:48 

    Der Kinderschutzbund Trier-Saarburg dankt Timo Dienhart für seine Weinspende, die wir bei unseren Veranstaltung kredenzen, und somit eine weitere schöne Einnahmensquelle für “Meine Burg” – ein Haus, ein Traum und tausend Chancen verbuchen dürfen.







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