Flüsse der Genüsse – Eine kulinarische Entdeckungsreise
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Eine der beliebtesten Weinveranstaltungen des Mosellandes fand zum 20. Mal in Trier statt: Beim Weinforum Mosel standen 193 Weine und Winzersekte von rund 125 Weinbaubetrieben des gesamten Anbaugebietes - von der Obermosel über Saar, Ruwer und Mittelmosel bis zur Terrassenmosel – in den römischen Thermen zur Probe bereit. Mehr als 2.000 Besucher, darunter Gäste aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, genossen die besondere Weinprobe im einzigartigen antiken Ambiente unter dem Trierer Viehmarkt.
Die Saar ist weg – zumindest offiziell. Seit 2006 ist der Fluss, an dessen rheinland-pfälzischen Abschnitt zwischen Konz und Serrig Rieslinge mit markant stahliger Säure wachsen, aus dem Namen der Gebietsweinwerbung verschwunden – wie übrigens auch die Ruwer. Dennoch ist die Saar über die Region hinaus präsent, vielleicht mehr denn je. Besonders die Übernahme des Weinguts von Othegraven (www.von-othegraven.de) in Kanzem durch Fernsehstar Günther Jauch hat der Saar einen neuen Bekanntheitsschub verpasst. Doch auch sonst scheinen die Winzer aus diesem Teil der Welt gut und stabil aufgestellt zu sein.
Im Rahmen des internationalen Degustationswettbewerbs Mundus vini wurde die Oberkircher Winzer eG mit dem Titel „Erzeuger des Jahres“ gewürdigt. Diese Sonderauszeichnung gibt es für besondere Leistungen. Die Oberkircher hatten bei dem Wettbewerb fünf Gold- und zwei Silber-Medaillen erhalten.
Von Rudolf May kann der Besucher auch schon mal ziemlich radikale Sätze zu hören bekommen. Zum Beispiel den: „Meine Silvaner sind nicht nur fränkisch trocken.“ Will sagen: Trocken (Restzucker bis zu neun Gramm pro Liter) oder fränkisch trocken, die auf maximal vier Gramm pro Liter begrenzte regionale Variante, ist ihm nicht genug. Das gilt nicht für den fränkischsten aller Weine: Sein 2008er Spätburgunder vom Retzbacher Benediktusberg aus der Premium-Linie „Recis“ hat gerade mal noch 0,1, der 2007er immerhin noch 0,5 Gramm Restsüße. Den Boden, auf dem er wächst, authentisch ausdrücken und dazu noch knochentrocken ins Glas fließen: Das ist das Ideal des Winzers, der sein Gut (www.weingut-may.de) in einem Seitental des Mains etwas mehr als 20 Kilometer nördlich von Würzburg, in Retzstadt, betreibt.
Kröv: Der Name des traditionsreichen Weinortes zwischen Traben-Trarbach und Kues klingt für viele Riesling-Fans nach der steten Wiederkehr des immer Gleichen, nach Klischees, nach Nacktarsch halt. Noch immer gibt es in dem idyllische Ort (de Gesamtgemeinde mit den Orten Kröv und Bausendorf zählt derzeit rund 2200 Einwohner) unter den etwa 100 Winzern viele, die auf ihre handgemalten Schildern mit „Original Nacktarsch“ um Kunde buhlen. Doch Opas Welt ist nicht mehr so ganz die von heute, und so gibt es hier eine ganze Reihe von jungen, innovativen Winzern zwischen 20 und Anfang 40, die – obwohl oder gerade weil sie fest in der Tradition von Region und Handwerk verwurzelt sind – an einem neuen, frischen Image ihres Ortes und vor allem der hier erzeugten Rieslinge arbeiten.
Wenige Kilometer nur sind es vom Rhein bei Remagen – dann verengt sich kurz vor Heimersheim das Tal der Ahr. Rebhänge machen sich breit oder ducken sich, auf kleine Terrassen verteilt, an die aufsteigenden Flanken der Eifel. Eng ist es hier bisweilen. Das Klima und die Stimmung im Tal wirken ungeheuer dicht und bestimmen die Eigenart im mit einer Fläche von rund 550 Hektar größten geschlossenen Anbaugebiet für Rotwein.
Mögen Winzer auch noch so ausgeprägte Individuen sein: Timo Dienhart aus Maring-Noviand ist immer auch anders. Der junge Mann aus dem Ort im Liesertal, das unweit von Bernkastel-Kues (Orte mit Bindestrich sind in dieser Region nicht gerade selten) an das der Mosel stößt, gehört mit seinem Weingut Zur Römerkelter (www.roemerkelter.de) zu den profilierten ökologischen Erzeugern der Region. Was sein Vater 1977 begonnen hat, führt der Sohn heute konsequent und von großer Überzeugungskraft getragen weiter.
Müßiggang, Müßiggang mit M, M wie Mosel. Mögen auch hier Touristenschwärme durch Trier und Bernkastel mit beängstigender Geschwindigkeit wandern – nur wenige Landschaften eignen sich so für die Entschleunigung wie das Leben entlang der Mosel, weil sie selbst das ist, was das Leben im günstigsten Fall ist: ein langer ruhiger Fluss. Das gilt für die Menschen, das gilt für den Fluss, der sich die Menschen anverwandelt, das gilt aber auch für den Wein, der an den Ufern entsteht. Den kann der, der sein Freund will, jung trinken – aber er muss es nicht.
Rund zehn Kilometer nördlich von Offenburg zweigt das Renchtal aus der Rheinebene ab. In der Nähe des Marktstädtchens Oberkirche herrschen nicht nur vom Klima, sondern auch vom Boden und dem Gelände her Grundlagen für den Weinbau. An den Hängen und auf günstigen Flachlagen wachsen Rote und Weiße, die die Oberkircher Winzergenossenschaft (WG) von der Traube übers Fass in die Flasche bringt und damit in wachsendem Maß über die eigene Region hinaus erfolgreich ist.
Moselland ist Rieslingland – diese Botschaft hat sich inzwischen weltweit etabliert. Der im Glas goldgrün schimmernde Wein ist inzwischen ein weltweit gefragtes und im Inland nicht minder respektiertes Produkt. Den Erzeugern hat das Wissen darum ein gehöriges Selbstbewusstsein eingeimpft. In ihrer Heimat tief verwurzelt (was eigentlich schon wegen der ausgeprägten Terroir-Bezogenheit des Rieslings nicht anders sein kann), leben die Inhaber der Weingüter gleichermaßen von der Qualität wie von der Ausstrahlung ihres Produkts. Riesling hat Glamour, Riesling zieht an: Dieses Phänomen lässt sich nicht zuletzt den Gebäuden, in denen die Erzeugnisse der Winzer her- und dargestellt werden, ablesen.
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Hundert Prozent Öko, hundert Prozent Mosel: Timo Dienhart und seine merk-würdigen RieslingeMögen Winzer auch noch so ausgeprägte Individuen sein: Timo Dienhart aus Maring-Noviand ist immer auch anders. Der junge Mann aus dem Ort im Liesertal, das unweit von Bernkastel-Kues (Orte mit Bindestrich sind in dieser Region nicht gerade selten) an das der Mosel stößt, gehört mit seinem Weingut Zur Römerkelter (www.roemerkelter.de) zu den profilierten ökologischen Erzeugern der Region. Was sein Vater 1977 begonnen hat, führt der Sohn heute konsequent und von großer Überzeugungskraft getragen weiter.
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